Lade Inhalte...

Richard David Precht „Spiritualität ist die einzig akzeptable Form von Religion“

Richard David Precht erzählt vom Hass auf die Systemdenker, der nicht frei ist von Bewunderung, vom Schreiben dicker Bücher und von der Freude am Überblick.

Richard David Precht
Richard David Precht im Sommer in Dresden. Foto: imago

Precht begann das Interview: „Wissen Sie, dass kaum jemand mich in meinem Leben so sehr behindert hat wie Sie?“

Ich?
Ich arbeitete damals als Freier für die Medienseite der „Zeit“. Ich hatte ein langes Dossier, eine Themenseite und viele ganzseitige Texte gemacht. Der Chefredakteur versprach mir eine Festanstellung. Sie verhinderten das.

Wie? Warum? Ich erinnere mich an nichts.
Sie baten mich damals zu sich und erklärten mir, Sie hätten nichts gegen mich, aber Sie ließen sich nicht vom Chefredakteur einfach einen Ihnen unbekannten Mann in Ihr Ressort drücken.

Eine vernünftige Haltung.
Für mich katastrophal. Ich hatte kein Geld und wusste nicht, wovon ich leben sollte. Wie zum Hohn gaben Sie mir dann noch Aufträge, mit denen ich gar nichts anfangen konnte.

Zum Beispiel?
Ich sollte mir Theateraufführungen daraufhin ansehen, welche Rolle Ledermäntel in ihnen spielten.

Gute Idee. Es gab damals kaum einen Bösewicht in der Jahrtausende alten Theaterliteratur, der nicht in einem Gestapomantel auftrat.
Wunderbar, dass wenigstens Sie das immer noch für eine gute Idee halten. Aber, das war nichts für mich. Ich interessierte mich nicht fürs Theater. Ich dachte: Der will mich auflaufen lassen.

Ich erinnere mich an diese alte Idee von mir, aber verzeihen Sie, weder an den Vorgang noch an Sie. Aber ich weiß, dass ich ein dicker Verdränger bin. Ich hätte gerne ein besseres Gedächtnis.
Worüber soll es denn heute gehen?

Mal sehen. Warum treffen wir uns im Nola?
Ich wohne hier ganz in der Nähe.

Im süditalienischen Nola wurde 1548 Giordano Bruno geboren. 1600 wurde er in Rom als Ketzer auf dem Campo de’ Fiori verbrannt. Er spielt im zweiten Band Ihrer Philosophie-Geschichte eine prominente Rolle.
Ich glaube nicht, dass das Lokal nach Brunos Geburtsort benannt ist.

Dennoch eine schöne Koinzidenz.
Nola war mir lange bekannt. Mit elf las ich begeistert in Titus Livius’ Römischer Geschichte über die Punischen Kriege. Da war Nola die Stadt, an der Hannibal immer wieder scheiterte. Ich glaube, Brunos Stolz, Nolaner zu sein, rührt aus dieser alten Legende von der uneinnehmbaren Stadt.

In Ihrer „Geschichte der Philosophie“ gibt es keinen wirklichen Helden. Das gilt auch für Giordano Bruno. Er ist bei Ihnen kein Bahnbrecher der Moderne.
Es hat sich das Weltbild von Galileo Galilei durchgesetzt: die Trennung von Scientia und Sapientia. Seitdem gibt es einerseits die Wissenschaft und andererseits die Weisheitslehren. Bei Bruno ist beides noch untrennbar ineinander verflochten.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum