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Regionale Buchmessen Aug’ in Aug’ mit Büchermachern

Auf den regionalen Buchmessen finden kleine Verlage ein immer interessanteres Forum.

Regionale Buchmessen
Der einzelne Titel verschwindet allzu leicht in der Menge. Foto: AFP

Ob die Karlsruher Bücherschau, die Buchlust in Hannover oder Die Buchmacher in Lübeck – regionale Buchmessen gibt es in vielen Bundesländern. Und wo man in die Fachwelt hineinhört, ist zu hören: Es werden immer mehr. Eines der jüngsten Beispiele ist die Kassel Buch, die vom 5. bis zum 6. Mai erstmals stattfinden wird. Damit hat sich der Veranstalter, das Literaturhaus Nordhessen, einiges vorgenommen. „Nordhessen gilt als schwieriges Pflaster für den Büchermarkt“, sagt Helen MacCormac, die zweite Vorsitzende des Vereins. Deshalb ist die Messe von langer Hand vorbereitet.

MacCormac reiste durch die Republik, schaute sich andere Messen an und wurde fündig. „Der absolute Klassiker ist die Buchlust in Hannover.“ Dort präsentieren sich unabhängige Verlage aus ganz Deutschland. „Das war uns wichtig, dass wir nicht nur eine Messe mit Verlagen aus der Region machen.“

Die Standgebühr im Kasseler Kulturbahnhof beträgt 100 Euro für zwei Tage, damit ist die Raummiete bezahlt. Der Eintritt wird vier Euro kosten, davon werden die Aushilfen vor Ort bezahlt. Finanzielle Förderer sind unter anderem das Land Hessen sowie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels Landesverband Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland. Wenn alles gut läuft, soll die Messe künftig alle zwei Jahre organisiert werden.

Die Stadt in Nordhessen ist keine Metropole. Das persönlichere Klima, das dadurch auf der Bücherschau herrscht, schätzen die 36 kleinen Verlage aus Hamburg, Erlangen oder Bonn. Oder aus Berlin, wie der Aviva-Verlag. Auf den regionalen Buchmessen komme man gut in Kontakt mit den Kunden, sagt dessen Inhaberin, die Verlegerin Britta Jürgs. Denn gerade das sei für kleine, inhabergeführte und konzernunabhängige Verlage zunehmend schwierig. Das Interesse der Verlage stößt offenbar auf Gegenliebe. „Auch beim Publikum gibt es einen immer größeren Wunsch, Verlage auf Messen zu sehen und kennenzulernen.“

Doch der Kundenkontakt ist es nicht alleine, weshalb sich der Aviva-Verlag nicht nur auf einer, sondern auf vielen der regionalen Bücherschauen präsentiert. „Dort kann man gut seine Backlist ausstellen“, sagt Jürgs. Wohingegen auf den beiden internationalen Messen in Frankfurt und Leipzig die Neuheiten gefragt sind. Dort nimmt Jürgs mit ihrem Verlag trotzdem teil. „Man muss sichtbar bleiben.“ Und das heißt vor allem für die Fachwelt, für die nationale und internationale Presse.

Viele der unabhängigen Verlage Deutschlands mit literarischem Schwerpunkt haben sich in der Kurt-Wolff-Stiftung zusammengeschlossen. Die Stiftung unterstütze die Regio-Schauen zwar nicht finanziell, jedoch ideell, zum Beispiel mit Werbung, sagt Verlegerin Jürgs, die Vorsitzende der Stiftung ist. Die Verlage der Stiftung achten darauf, dass sie sich auf regionalen Buchmessen nicht zusammen mit Autoren präsentieren, die in Eigenregie publizieren. Auch wenn es gute Bücher darunter gebe – „im Großen und Ganzen fehlt die Qualität bei den Selfpublisher-Büchern“, so Jürgs. Die Verlage wollten zeigen, dass „Verlegen eine umfassende künstlerische Betätigung ist“.

Auch aufseiten mancher Veranstalter sieht man von Selfpublishern als Ausstellern ab. „Die wenigen Anfragen, die ich aus dieser Richtung bekommen habe, haben mich qualitativ nicht überzeugt“, sagt Anika Stender-Sornik. Die Kulturwissenschaftlerin organisiert die Lübecker Independent-Messe Die Buchmacher, die in der Kultur- und Universitätskirche St. Petri in diesem Jahr zum vierten Mal stattfindet. Etwa 30 Aussteller, ausschließlich kleine, unabhängige Verlage, viele aus der Kurt-Wolff-Stiftung, präsentieren sich hier.

Bevor es die Buchmacher gab, setzte die Lübecker Kirche auf andere Formate, um leseaffinen Menschen Literatur vorzustellen. Doch „große Literaturabende tragen nicht mehr“, hat Stender-Sornik festgestellt. Die Bereitschaft, sich stundenlang in eine Lesung zu setzen, gehe zurück.
Das ist auch ein Grund dafür, weshalb es in Hessen bald noch eine weitere regionale Buchmesse geben könnte, nämlich in Frankfurt. Das plant der Landesverband Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels für das kommende Jahr. Wegen einer einzigen Veranstaltung kämen die Menschen immer seltener, erklärt Stefanie Brich, Geschäftsführerin des Landesverbandes. „Man muss Bücher heute ein Stück weit als Event präsentieren.“

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