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Rebecca C. Schnyder „Alles ist besser in der Nacht“ „Küss mich, aber stör mich nicht“

Mehr Spaß bei der Selbstzerstörung: „Alles ist besser in der Nacht“, der abgebrühte Debütroman der jungen Schweizer Autorin Rebecca C. Schnyder, erzählt von einer Liebe, die doch nicht glücklich werden darf.

13.05.2016 17:03
Sabine Vogel

Billy steht vor dem Haus ihres Psychotherapeuten und raucht. Rauchen muss sein. „Die Sonne, das Arschloch, stand am Himmel.“ Ein junger Mann mit Fahrrad kommt auf sie zu. Knall auf Fall verliebt sich die knapp zwanzigjährige Billy in diesen „Hund mit Scheißschuhen und Zauberlächeln.“ Und los geht’s.

Für die Ausgangsszene ihres schmalen Debütromans benötigt die junge Schweizer Autorin Rebecca C. Schnyder gerade mal die erste, luftig bedruckte Seite. Einen Roman hat auch Billy geschrieben. Aus Faulheit, wie sie in ihrem wurstigen Tonfall sagt, anstelle einer wissenschaftlichen Abiturarbeit. Der Roman wurde ein Erfolg, jetzt drängt ein Verlegeragent sie täglich, etwas Neues abzuliefern. Aber Billy hat die Krise.

So atemberaubend, wie Verlieben nur sein kann, so rasant geht es voran im schnoddderig abgebrühten Jugendslang. Rauchen, saufen, ficken, kotzen, todunglücklich sein. Action und Dialoge – Schnyder kann Theater.

Die Freundin der Erbsenprinzessin

Tagsüber sitzt Billy in Ellas, das ist ihr Stammcafé, und trinkt Kaffee mit extra viel Zucker. Nachts zieht sie mit ihrer Freundin Guen um die Häuser und gibt sich die Kante. Diese Guen ist ein Wunder, sie hält Billy über der Kloschüssel fest, rettet sie vor blödsinnigen One-Night-Stands, weckt sie mit eiskalter Cola Zero, nötigt sie, etwas zu essen, kauft Dope, hört zu.

Warum sie das alles für die Erbsenprinzessin macht, wird nicht klar. Billy hat auch eine Mutter, die sich um ihre Tochter sorgt und dafür mies von ihr behandelt wird. Der Vater ist weg. Ist das der Grund für Billys Selbstdestruktivität, die sie mit Magersucht, Alkoholmissbrauch und Kajal-geschwärztem Trotz kultiviert?

Und nun dieser Typ mit dem Zauberlächeln. Noe heißt er und studiert Theologie! Er ist ein Guter, und das kann ja nicht gut gehen. „Verlass ist nur auf die Endlichkeit“, weiß die altkluge Göre, die nicht erwachsen werden will. Und deshalb alles dransetzt, die zarten Bande zu Noe zu zerstören. „Küss mich, aber stör mich nicht. Fass mich an, aber berühr mich nicht. Sei Gast. Und dann geh wieder. Das ist meine Welt.“

Wer niemanden an sich ran lässt, muss auch keine Angst davor haben, verlassen zu werden. Schade, es hätte richtig lustig werden können.

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