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Raoul Schrott „Es entsteht ein Gefühl von Sinn“

Der Schriftsteller Raoul Schrott erzählt vom Urknall, vom Sinn des Epos, von Sherlock Holmes und den „Drei Prinzen aus Serendip“, von Viren, von sich und davon, wie alles zusammenhängt.

Blick auf die Erde
Auch das ist die erste Erde, nur mit einem anderen Verfahren als dem üblichen fotografiert. Foto: afp

Herr Schrott, warum „Erste Erde“?
Zum einen, um damit die Erde zu beschreiben, wie sie vor dem Auftauchen unserer Zivilisation und dem Anthropozän bestand – im Sinne Ciceros, der von der „ersten Natur“ sprach, bevor sie sie mit einer zweiten zu überformen begannen –, zum anderen, weil zu erwarten ist, dass die Astronomen bald eine zweite Erde irgendwo im Weltall entdecken. Über 3000 plausible Kandidaten gibt es dafür bereits.

Wovon leben Sie? 
Ein Autor lebt von den Büchern, die er veröffentlicht. Mit den Gewinnen des einen Buches finanziert er das nächste. „Erste Erde Epos“ hätte es ohne die Kulturstiftung des Bundes nicht gegeben. Sie hat mich vier Jahre lang großzügig unterstützt. Ich habe dann sieben Jahre für das Buch gebraucht. Am Ende wusste ich nicht mehr, wie durchkommen. Aber ich habe es geschafft. Der Kulturstiftung bin ich unendlich dankbar. Die Leute dort haben an mich geglaubt. Ich konnte an die entlegensten Orte reisen, konnte alles mit eigenen Augen anschauen, riechen und schmecken. Bedingung der Kulturstiftung war allerdings, dass es ein öffentliches Unternehmen ist. Dafür hat der Bayerische Rundfunk schon während der Entstehung des Buches zwanzig Hörstücke dazu produziert – und in ebenso vielen Sendungen bedeutende deutsche Wissenschaftler über ihre jeweiligen Felder sprechen lassen. Der Hanser Verlag hat ein sehr schönes Buch – 848 Seiten, 68 Euro – daraus gemacht und es 26 000 Mal verkauft. Das ist ein unerwarteter Erfolg, der letztlich das breit vorhandene Bedürfnis zeigt, auch als Normalverbraucher Zugang zur modernen wissenschaftlichen Weltsicht zu erhalten.

Als der Verlag das Buch ankündigte, dachte ich: Der Dichter Raoul Schrott knöpft sich nach der „Ilias“ und Hesiod jetzt das Universum, wie wir es heute sehen, vor und erzählt uns das. 
Das Buch war nicht die Idee eines größenwahnsinnigen Dichters. Ich war auch nicht auf der Suche nach einem Thema oder wollte auch einmal selbst ein großes Epos schreiben ...

Im Titel steht bei Ihnen „Epos“. 
... es war ein ganz privates Projekt. Für mich war es eine existenzielle Notwendigkeit, die Narrative der Naturwissenschaften über die Entstehung der Welt, über den Gang der Evolution bis zum Menschen erst einmal zu verstehen. Doch um etwas verstehen zu können, muss ich es in meine Sprache bringen. Ich muss schreiben. „Epos“ steht da, weil es sich um eine Mischform von Prosa und Poesie handelt. Ezra Pound nannte das Epos: a poem containing history. Ein erzähltes Welt-Panorama wie die „Ilias“, die „Aeneis“, das „Nibelungenlied“ es einmal waren.

Die sind alle durchgetaktet.
Das ist die „Erste Erde“ auch. Aber 600 Seiten mit dem gleichen Takt – da hätte ja schon ich mich zu Tode gelangweilt. Poesie war nötig, um die Bilder, die Metaphern zu finden, die das abstrakte Wissen anschaulich und zugänglich machen. Aber sie sollte überführt werden ins Erzählerische, in die Lebensgeschichten meiner 28 Protagonisten. Es sind Monologe, kleine Dramen, Kurzromane. Abwechslungsreich sollte es sein – und den unterschiedlichen Themen gerecht. 

Da sprechen Spezialisten.
Einer weiß, wie es mit dem Urknall war, ein anderer kennt sich aus in Molekularbiologie, ein anderer weiß, was uns zu Säugetieren macht ...

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