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Rachel Kushner Im Feldbett mit Fidel

In ihrem Roman „Telex aus Kuba“ erzählt Rachel Kushner von den Jahren vor der Revolution.

Rachel Kushner.

Wie der Name schon vermuten lässt, liegt Oriente ganz im Osten von Kuba, in den fünfziger Jahren ist es nicht nur die „größte, ärmste und schwärzeste Provinz“ der Insel, wie die Erzählerin anfangs mit einem Blick auf den Lageplan von Oriente im Büro des Vaters erklärt. Es ist auch die Gegend mit dem besten Klima und den besten Böden, ideal für Zuckerrohr. Auf der Landkarte sind die Ländereien der United Fruit Company grün markiert. „Praktisch die ganze Karte war grün – 133 500 Hektar anbaufähiges Land – man macht sich keine Vorstellung“.

Doch, nachdem man dieses tolle Buch gelesen hat, macht man sich eine ganz genaue Vorstellung davon, wie es gewesen ist im Kuba vor der bärtigen Revolution, in jener Zeit, als die Insel den Kolonialisten aus den USA abhandenkam, ohne dass sie die ganze Dramatik des bevorstehenden Umsturzes erfassen konnten. Dazu hatten sie viel zu sehr mit ihren Partys und Soireen, ihren Lebens- und Liebeslügen zu tun. Und dann diese Hitze. Wie immer sind es die Kinder, die als erste bemerken, dass in der Welt etwas nicht stimmt.

Zum Glück hat die 1968 in Eugene, Oregon, geborene Rachel Kushner vor zwei Jahren mit ihrem anarchischen Künstlerroman „Flammenwerfer“ überregional auf sich aufmerksam gemacht, sonst wäre ihr furioses Debüt von 2008 vermutlich nie in einer deutschen Übersetzung erschienen.

Wie so oft im Fall eines Erstlings, greift die Autorin auf autobiografisches Material zurück, in diesem Falle sind es die Erinnerungen ihrer Mutter, die ihre Kindheit in der isolierten Welt der United-Fruit-Community erlebte. In Rachel Kushners kaleidoskopartig erzählten Geschichte verteilen sich diese Reminiszenzen vor allem auf die beiden jugendlichen Hauptfiguren: den aufmerksamen K. C . Sites, Sohn des Plantagendirektors, und die eigenwillige Everly Lederer, Tochter des Chefs einer US-Nickelmine.

Wie Seismographen nehmen sie die Risse und Erschütterungen um sich wahr, Vorboten jenes Bebens, für das die Rebellen sorgen werden – die in dem Roman auch persönlich auftreten. In einer homoerotischen Fantasie spielt Fidel Castro eine gewisse Rolle.

 

Rachel Kushner: Telex aus Kuba.

Aus dem Englischen von Bettina

Abarbanell. Rowohlt Verlag,

Reinbek bei Hamburg 2017,

464 Seiten, 19,95 Euro.

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