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Pfarrer von Zornedingen Reform statt Rassismus

Olivier Ndjimbi-Tshiende stellt sein Buch „Und wenn Gott schwarz wäre“ in Frankfurt vor.

Hau ab zu deinen schwarzen Teufeln“, „Wir schicken dich, Du Arschloch, nach Auschwitz“ – harter Tobak, den der einstige Pfarrer der oberbayerischen Gemeinde Zorneding, Olivier Ndjimbi-Tshiende, im Herbst 2015 in Drohbriefen zu lesen bekam. Auslöser für die rassistische Hetze war Ndjimbi-Tshiendes Kritik an der Zornedinger CSU-Ortsvorsitzenden Sylvia Bohrer, die im örtlichen Parteimagazin Stimmung machte gegen Flüchtlinge. Darin schrieb sie etwa: „Bayern wird in diesen Tagen überrannt. Das, was wir heute erleben, ist eine Invasion.“

Dass Ndjimbi-Tshiende das als Pfarrer am Ort kritisieren musste, nennt er heute „eine Selbstverständlichkeit“. „Weil sie die Wahrheit, die Liebe und den Respekt nicht beachtet hat – eigentlich Themen, über die ich immer wieder in der Kirche gepredigt habe.“ Dafür stand er auch mit seinem Einsatz für die rund 50 Flüchtlinge, die das 9000 Einwohner große Zorneding damals aufgenommen hatte, ein. „Von Invasion konnte keine Rede sein. Es hat auch keine Probleme mit ihnen gegeben“, erinnert sich der Priester, der 2012 in die Zornedinger Gemeinde gekommen war.

Probleme hat stattdessen er bekommen, nachdem er Bohrers Thesen in einer Zeitung widersprochen hatte. „Auf einmal waren Menschen, die mit mir die Sonntagsmesse gefeiert haben, gegen mich.“ Dass ihm sogar Gemeindemitglieder hinterrücks das Leben schwer machten, schlussfolgert Ndjimbi-Tshiende aus der Tatsache, dass in einer Winternacht etwa die Heizung im Pfarrhaus auf Null gedreht wurde. „Nicht vom Hausmeister. Es muss ein anderer gewesen sein, der einen Schlüssel hatte.“

Eines Tages kam dann aber ein Mann persönlich in seinen Gottesdienst, der ihn töten wollte. Da wurde es Ndjimbi-Tshiende zu gefährlich, im März 2016 verließ er die Zornedinger Gemeinde. Heute ist er Mitarbeiter am „Zentrum Flucht und Migration“ der katholischen Universität Eichstätt.

Auch wenn eine enorme Solidarisierungswelle aus Kirche und Bistum über ihn hereinbrach – die Anfeindungen aus den eigenen Reihen waren für Ndjimbi-Tshiende so gravierend, dass er ins Grübeln kam. „Wie ist das möglich, in einer Kirche, die als größtes Gebot die Liebe hat?“

Seine Antwortversuche hat der heute 68-Jährige in seinem Buch „Und wenn Gott schwarz wäre... Mein Glaube ist bunt“ niedergeschrieben, das er jetzt im Frankfurter Haus am Dom vorgestellt hat. Es ist eine Abrechnung mit einer Kirche, die sich auf falsche Dogmen und Rituale versteift, statt auf lebendige Liebe zu setzen. So wurde aus einem rassistisch Gehetzten ein scharfer Kirchenkritiker, der sich für Brüderlichkeit statt reglementierender Hierarchie, für Priesterehe und Frauenpriestertum einsetzt.

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