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Peter Handke Kein Buch der Welt ersetzt das Leben

Der große Spaziergänger und Schriftsteller Peter Handke wird am Mittwoch 75 Jahre alt.

Peter Handke
Peter Handke bei einem Interview in Salzburg, 2012. Foto: dpa

Am Mittwoch wird Peter Handke 75 Jahre alt. Wir gratulieren sehr herzlich! Und was soll man weiter sagen: Man muss ja nicht jede Zeile von ihm mögen, zumal es außer ihm selbst vermutlich nur wenige gibt, die wirklich jede Zeile gelesen haben, um zu begreifen, dass er – ja, was? Ein Dichter ist! Ein Dichter, wie er im Buche steht, vor allem in den seinigen. Es ist so viel gesagt und gestritten und geschrieben worden über diesen Kärntner Kauz, der seit Jahren in seinem Haus in Chaville unweit von Paris die Tage verbringt, viel spazierengehend, viel die Tiere, Pflanzen und auch Menschen betrachtend, dass hier nur zu sagen bleibt: Lesen Sie Ihren Handke halt selbst! Und gern wäre hinzugefügt worden, lesen Sie ihn in der neuen Werkausgabe! Neun Bände Prosa, Gedichte, Theaterstücke. Vier Bände Journale. Zwei Bände Aufsätze. Insgesamt 11.424 Seiten.

Alles, was er bislang in Buchform veröffentlicht hat, gebündelt in einer „Peter-Handke-Bibliothek“. Sie war für diesen Herbst angekündigt – und ward aufs Frühjahr verschoben, aus technischen Gründen. Ach. Aber nun, es wird sich auch dann noch lohnen, Peter Handke zu lesen. Bestimmt. Außerdem gibt es als Geburtstagsgeschenk für uns Leser ein herrliches Interview mit seiner Tochter Amina, erschienen im Wiener „Standard“.

Kein „Happy Birthday“ für Peter Handke

Was hier alles zu erfahren ist! Zum Beispiel, dass dem Vater zum Geburtstag auf keinen Fall „Happy Birthday“ gesungen werden durfte. Aber „zum Muttertag“, erzählt die Tochter, „mussten wir in der Schule einen Kochlöffel anmalen, und den habe ich halt dann meinem Vater geschenkt, den hat er auch brauchen können, weil er hat ja wirklich gut gekocht für mich, und damit war das mit dem Schenken auch erledigt. Hauptsache, er hat etwas Selbstgebasteltes gekriegt.“

Das ist doch schön: Selbstgebasteltes. Nicht schön ist, auch das ist aus diesem Gespräch mit der Künstlerin Handke zu erfahren, dass sich der Vater kürzlich die Hand brach. Er hat sich über den Nachbarshund geärgert, also schlug er gegen den Gartenzaun, „mit einem dicken Goethebuch in der Hand“. Hoffentlich ist alles wieder gut mit der Hand und dem Buch.

Und was lernen wir daraus? Was es bei Handke immer zu lernen gibt: Kein Buch der Welt ersetzt das Leben, „seltsam oder auch nicht“, wie es in seinem jüngsten Buch, der „Obstdiebin“, heißt. Deshalb: Traue keinem Gedanken, der nicht im Gehen entstanden ist. „Wenn Gedanken, dann nur im Gehen.“ Das steht in den „Spuren der Verirrten“. Und früher schon, in den „Phantasien der Wiederholung“, gab er zu lesen: „Ich werde mich entschlossen verirren.“ Keiner kann das schöner als er.

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