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Onlineversand Aus dem Internet in die analoge Welt

Amazon will die Produkte seines Verlages in den stationären Buchhandel schicken. Mittelfristig wird das den Konkurrenzdruck verschärfen.

Amazon Logistikzentrum
Bevor Amazon zum großen Online-Versand wurde, hat die Firma klein angefangen: Als Buchhändler nämlich. Foto: dpa

Wer von Amazon spricht, meint heute eine Internetplattform, auf der man praktisch alles kaufen kann. Jeder kann für sich entscheiden, ob und wofür er sie nutzt, arglos oder mit schlechtem Gewissen. Amazon ist einfach zu bedienen und lockt mit vielen Bequemlichkeiten. Junge Menschen können sich kaum vorstellen, wie ihre Eltern einmal ohne Amazon gelebt haben. Aber natürlich hat auch Amazon einmal klein angefangen. Als Buchhändler nämlich, vor etwa zwanzig Jahren.

Die meisten Buchhändler bekommen heute mindestens Magengrummeln, wenn sie das Wort Amazon hören, denn das ist ihre gefährlichste Konkurrenz. Viele Läden mussten schließen, die großen Ketten wie Hugendubel und Thalia verkleinerten ihre Flächen deutlich.

Verlage haben auch ihre Probleme mit dem Internethändler, weil die Algorithmen den Kunden in seinen Interessen lenken, das System der Bewertungen schwer durchschaubar ist. Und dass der Konzern in Europa kaum Steuern zahlt, verstört mindestens die Politiker.

Während in den USA Amazon inzwischen eigene Buchhandlungen einrichtet, schlägt er in Deutschland nun einen anderen Weg ein. Wie das Fachmagazin „Buchreport“ berichtet, sind die deutschsprachigen Titel des Verlags Amazon Publishing ab sofort bei der Koch, Neff & Volckmar GmbH (KNV) gelistet. KNV ist ein Buchgroßhändler, der größte im deutschsprachigen Raum. Wenn man hierzulande in einen Buchladen geht und den gewünschten Titel nicht findet, kann der Buchhändler ihn für den nächsten Tag bestellen – über das sogenannte Barsortiment, das ist KNV.

Konnte man bisher die Bücher, die Amazon selbst herstellte, nur über die Online-Plattform beziehen, kann man sie jetzt auch beim Buchhändler um die Ecke kaufen. Der Buchhändler verdient so an den Erzeugnissen des bösen Riesen mit.

Konkurrenz belebt das Geschäft, sagte man früher. Doch wenn der Konkurrent so reich ist wie Amazon, belebt er nicht nur. Er hat schon zum Buchhandelssterben geführt. Sind jetzt die Verlage dran? Noch publiziert Amazon leicht konsumierbare Lektüre, Unterhaltungsliteratur, die viele Verlage nicht in ihren Programmen haben wollen. Andererseits verdienen traditionelle deutsche Verlage auch mit Liebes-Schmökern oder Historien-Krimis Geld, und sei es nur, um es zur Unterstützung anderer Titel zu nutzen. Und es muss ja nicht so bleiben, dass Amazon Publishing an anspruchsvoller Literatur nicht interessiert ist. Dann gibt es einen Bieter mehr, wenn die Agenten potenzielle Bestseller aus den USA oder sonstwoher verkaufen wollen. Das kann den Lesern egal sein. Oder sie haben ein schlechtes Gewissen, weil auch die Verlagslandschaft zur Kultur dieses Landes gehört.

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