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Neue Rechte Schulterschluss von AfD und Identitären

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Volker Münz gibt das Buch „Rechtes Christentum?“ heraus und holt dafür die Identitäre Bewegung mit ins Boot.

Volker Münz und Caroline Sommerfeld
Rechte Christen? Volker Münz und Caroline Sommerfeld. Foto: Simon Berninger

Der Erzengel Michael hält das Kreuz aufrecht in der rechten Hand. In Bronze gegossen, steht er in martialischer Haltung auf dem Kiewer Ljadski-Tor – wie zum Angriff bereit. Könnte er sprechen, was riefe er wohl? „Deus vult“ vielleicht, „Gott will es“, wie es der Schlachtruf der Kreuzzügler im Mittelalter war? In diesen Kontext zumindest fügt sich eine Fotografie eben jener Bronzestatue, die der Bucheinband von „Rechtes Christentum?“ zeigt. Die Anfang Oktober erschienene Aufsatzsammlung listet unter anderem einen Essay mit ebensolchem Kampftitel: „Gegen Allahu akbar hilft nur Deus vult!“

Gezeichnet: Caroline Sommerfeld, Untertitel ihres Aufsatzes: „Christentum und Identitäre Bewegung“, „zu der ich mich dazuzähle“, bekannte die Autorin soeben auf der Frankfurter Buchmesse. Neben ihr stand bei der Buchvorstellung von „Rechtes Christentum?“ der AfD-Bundestagsabgeordnete Volker Münz, seinerseits religionspolitischer Sprecher seiner Fraktion und stellvertretender Sprecher der parteiinternen Vereinigung „Christen in der AfD“.

AfD führt Identitäre Bewegung als „rechtsextremistisch“

Kein Wunder, denn Münz ist Mitherausgeber des 250 Seiten starken Buches, für das er selbst einen Essay („Die Bundesvereinigung ‚Christen in der AfD‘ und ihre Bedeutung innerhalb der Partei“) beisteuert. Verwunderlich ist der publizistische und auf der Buchmesse öffentlichkeitswirksame Schulterschluss von AfD und Identitären, bei dem als weiterer Autor auch der den Identitären nahestehende Publizist Martin Lichtmesz teilnahm, dennoch. Immerhin hat die AfD eine Unvereinbarkeitserklärung ausgesprochen, nach der ihre Mitglieder mit den Identitären keine gemeinsame Sache machen dürfen. Selbst die AfD führt die Identitäre Bewegung als „rechtsextremistisch“.

Allerdings, so heißt es im Vorwort der Aufsatzsammlung, verstünden sich die elf Verfasser, zu denen auch der Journalist Matthias Matussek gehört, „nicht als Gesinnungs- und Kampfgemeinschaft“. Der Sammelband setze lediglich einer behaupteten „Instrumentalisierung des Glaubens gegen politisch unliebsame Positionen zahlreiche kluge Stimmen parteigebundener und -freier Rechtskonservativer entgegen“, wie auf dem Klappentext zu lesen ist. Auf der Buchmesse stellte Münz noch heraus: „Das ist hier kein Buch von der AfD oder für die AfD, es sind auch nicht alle Autoren Mitglieder der AfD. Aber ich bin dankbar dafür, dass wir hier mit dem Stocker Verlag die Möglichkeit gefunden haben, dass mal über christliche Konservative geschrieben wird.“

Dazu darf man auch den Verleger Wolfgang Dvorak-Stocker zählen, war ihm seine eigene politische Heimat doch auch Motivation, den Aufsatzband in seinem Tochter-Verlag Ares zu verlegen. Ganz abgesehen davon, dass Ares ein nichtchristlicher Kriegsgott ist, meinte er auf der Buchmesse: „Ethik gehört zum Christentum unverzichtbar dazu – und das ist eine Herausforderung für jeden einzelnen, und natürlich auch für alle Politiker und Staatsmänner, weil jede Gesellschaft und jeder Staat gemäß dieser christlichen Ethik gebaut werden sollte.“ Sein Plädoyer betreffe „natürlich auch den Umgang mit Geflüchteten“.

Allerdings sei das, was die christliche Ethik diesbezüglich vorschreibe, „nicht ganz so eindeutig, wie viele Medien das hinzustellen versuchen, wie das viele Politiker in Deutschland darzustellen versuchen, und, wie ich als Katholik mit Bedauern sagen muss, wie das auch viele unserer Hirten darzustellen versuchen. Das war also die Motivation, das Buch zu machen.“

Götz Kubitschek kam auch zur Buchvorstellung

Für Andreas Peham vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) passt es ins Bild, dass Dvorak-Stocker AfD und Identitären eine gemeinsame publizistische Plattform bietet. „Ares ist ein rechtsextremer Verlag“, sagt der Betreuer der DÖW-Rechtextremismus-Sammlung auf Anfrage der FR. Peham verweist auf die Zeitschrift „Neue Ordnung“, dem „publizistischen Flaggschiff“ des Ares-Verlages. „Von völkischem Nationalismus, Antisemitismus bis hin zu Homo-Hetze ist darin alles vertreten, was Rechtsextremismus ausmacht.“ Dazu passt, dass der neurechte Antaios-Verlag von Götz Kubitschek aus Schnellroda mit der Auslieferung von Büchern aus dem Ares-Verlag an Einzelkunden in Deutschland wirbt. Dieser Tage, so kommentiert Peham, veranstalte Kubitschek die diesjährige Herbsttagung seines Instituts für Staatspolitik „auch nicht zufällig“ in Graz.

Auf der Buchmesse ließ es sich Kubitschek denn auch nicht nehmen, mit seiner Frau Ellen Kositza beim prominent in Halle 3.1 angesiedelten Stocker-Verlag vorbeizuschauen. Bei der Vorstellung von „Rechtes Christentum?“ traf er mit Caroline Sommerfeld und Martin Lichtmesz auch auf zwei regelmäßige Autoren seiner Zeitschrift „Sezessionen“. In „Rechtes Christentum?“ schreibt Sommerfeld nun: „Identität kommt nicht ohne Feindschaft aus.“ Die Identitäre Bewegung kämpfe zwar „ausschließlich metapolitisch-symbolisch, weiß aber: Bei Angriff gilt es, sich verteidigen zu können, im Kleinen wie im Großen“.

Unchristliche Absichten der Identitären

Bei ihrem Aufsatztitel „Gegen Allahu akbar hilft nur Deus vult!“ überrascht es nicht, dass sie „den Islam als Feind Europas“ ausmacht. Demgegenüber verspürten viele Identitäre „einen christlichen Grundimpuls“, die Kirchen hätten aber längst eine „christliche Unterwerfung unter den Islam“ vollzogen. Etwa damit, dass die katholische Kirche schon seit ihrem letzten Konzil in den 1960er Jahren lehre, „den einen Gott der Schöpfung als Basis für jeden künftigen christlich-islamischen Dialog“ zu nehmen – um Feindschaften ihre Grundlage zu nehmen.

Wer da frage, ob „Identitäre Christen sein und gleichzeitig ‚Menschen‘ als Feinde sehen“ könnten, dem wirft die Autorin vor, nicht „in politischen Zusammenhängen zu denken. ‚Wir sind doch alle Menschen‘ ist eine Art universell verallgemeinerter Intimbeziehung, und selbst für eine solche gilt Feindschaft als anthropologische Konstante“. Für Sommerfeld ist klar: „Ewigen Frieden und die Gleichheit aller Menschen gibt es nur vor Gott“. Und das „Himmelreich vorwegzunehmen hat im Zweifelsfalle einen hohen weltlichen Preis“. 

Ganz ähnlich schreibt auch Münz in seinem Beitrag, den Philosophen Karl Popper zitierend: „Der Versuch, den Himmel auf Erden einzurichten, erzeugt stets die Hölle.“ Doch geht das Zitat Poppers weiter: „Dieser Versuch führt zu Intoleranz, zu religiösen Kriegen und zur Rettung der Seelen durch die Inquisition.“ Eine solche Einsicht des Philosophen der offenen Gesellschaft passt freilich nicht zum Duktus der Veröffentlichung, schon gar nicht passt sie zu den Absichten der Identitären.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier AfD

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