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Nachruf Silvia Tennenbaum Autorin Silvia Tennenbaum ist tot

Zum Tod der 88-jährigen Kunsthistorikerin und Autorin Silvia Tennenbaum, die in Frankfurt geboren wurde, vor den Nazis in die USA floh und mit ihrem Buch „Straßen von gestern“ bekannt wurde.

Silvia Tennenbaum, 2012 in Frankfurt. Foto: Andreas Arnold

Sie erlitt, wie so viele ihrer Generation, das Schicksal der Emigration. Silvia Tennenbaum war zehn Jahre alt, als sie mit ihrer Familie aus Frankfurt in die USA entkam. Gerade noch rechtzeitig. Kurz darauf starben in Deutschland viele jüdische Bürger in den Novemberpogromen des Jahres 1938.

Silvia, die Tochter aus großbürgerlicher Familie, war bemüht, eine „echte Amerikanerin“ zu werden, wie sie später sagte. Sie lernte die komplizierten Baseball-Regeln und ging viel ins Kino. Frankfurt aber und die untergegangene jüdische Welt ihrer Kindheit vergaß sie nie. Mit einem Buch setzte sie ihr ein Denkmal: „Yesterdays streets“, 1981 erschienen, im Jahre 2012 als „Straßen von gestern“ beim Frankfurter Verlag Schöffling wieder aufgelegt.

Jetzt ist die Kunsthistorikerin und Autorin im Alter von 88 Jahren in ihrer Heimat in Haverford in Pennsylvania gestorben. Im Jahre 2012 war sie noch einmal nach Frankfurt gekommen, weil ihr Roman im Mittelpunkt des Festivals „Frankfurt liest ein Buch“ stand. Die alte Dame blühte geradezu auf in diesen Wochen. Sie nannte sie die schönsten ihres Lebens. Bei vielen Veranstaltungen begeisterte sie mit ihrer Präsenz und Zugewandtheit, mit ihrer Fröhlichkeit das deutsche Publikum.

Tennenbaum hatte trotz der Erfahrung von Flucht und Vertreibung offenbar nie resigniert, war nicht verbittert geworden. Sie hatte Kunstgeschichte an der Universität von Columbia studiert und danach als Kritikerin gearbeitet. 1978 war ihr erster Roman in den USA erschienen, „Rachel, the Rabbi’s Wife“.

Ihr Hauptwerk aber bildeten die „Straßen von gestern“. In dem Buch schildert sie den Aufstieg einer jüdischen Familie im Kaiserreich, den Weg durch die Weimarer Republik und den Untergang in der Zeit der nationalsozialistischen Terrorherrschaft.

Jüdische Welt Frankfurts

Viele Erfahrungen ihrer eigenen Verwandten flossen in diesen Roman ein. Ihre Großonkel hatten Anfang des Jahrhunderts zu den Förderern der Frankfurter Goethe-Universität und des Städel Museums gehört. Über ihren Großvater Richard Stern war Silvia mit Otto Frank, dem Vater von Anne Frank, verwandt. Ihr Stiefvater war der berühmte Dirigent Hans Wilhelm Steinberg.

Als Vorbild für ihr eigenes Schreiben nannte sie einmal Joseph Roth, den großen Chronisten des untergegangenen österreichisch-ungarischen Kaiserreichs. Er beschreibe Menschen mit Liebe und Großzügigkeit.

Seit 1983 hatte Silvia Tennenbaum regelmäßig Frankfurt am Main, ihre alte Heimat, besucht. „Frankfurt ist mir wieder lieb geworden“, hatte sie 2012 beim Lesefest erklärt.

„Wir haben eine wundervolle Autorin und Freundin verloren“, teilte am Dienstag der Schöffling-Verlag mit.

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