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Nachruf auf Marcos Ana Ein Baum, ein Horizont, ein Kuss

Der spanische Dichter Marcos Ana ist 96-jährig gestorben – 23 Jahre seines Lebens verbrachte er in Franco-Gefängnissen.

Fernando Macarro Castilla (aka Marcos Ana), 2010 in Madrid. Der spanische Schriftsteller ist am 24. November gestorben. Foto: AFP

Im Jahr 1943 hatte Marcos Ana, der damals noch Fernando Macarro hieß, schon vier Jahre Haft hinter sich. Da griffen ihn sich die Kerkermeister des Franco-Regimes und folterten ihn, um aus ihm die Namen von Mitgefangenen herauszupressen, mit denen er gemeinsam die klandestine Zeitung „Juventud“ in Umlauf brachte. „In extremen Situationen wählt der Mensch den einfachsten Weg“, erzählte Marcos Ana viele Jahre später. „Für mich war es das einfachste, mit erhobenem Kopf zurückzukehren, wenn auch zerschunden. Schwierig wäre es gewesen, zu reden und den Kameraden nicht in die Augen blicken zu können.“

Das Franco-Regime konnte Marcos Ana nicht brechen. 1939, in dem Jahr, als der Faschist den Spanischen Bürgerkrieg siegreich beendete, kam er in Haft. Sein Vergehen war sein Engagement in der Kommunistischen Partei. 23 Jahre saß Marcos Ana ab, so viele wie kein anderer politischer Häftling der Franco-Zeit. Eine Kampagne von Amnesty International sorgte 1962 endlich für seine Freilassung.

Im Gefängnis war aus Fernando Macarro der Dichter Marcos Ana – ein Pseudonym gebildet aus den Vornamen seiner Eltern – geworden. Während er noch in Haft saß, wurde in Brasilien ein erster Band mit Gedichten veröffentlicht, die er in die Freiheit hatte schmuggeln können. „Sagt mir, wie ein Baum ist“, schrieb er. „Rezitiert mir einen Horizont ohne Schloss und ohne Schlüssel, wie die Hütte eines Armen. Sagt mir, wie der Kuss einer Frau ist.“

Er war 42 Jahre alt, als er die Freiheit wieder neu lernen musste, zum ersten Mal die Liebe erlebte, auch Vater wurde. Das war im Exil im Paris, aus dem er erst 1976, ein Jahr nach dem Tod Francos, nach Spanien zurückkehrte. Marcos Ana blieb Kommunist und wurde im nachfranquistischen Spanien zu einer der einflussreichsten Stimmen gegen das Vergessen des Unrechts unter dem Franco-Regime.

2007 veröffentlichte er seine Autobiografie: „Sagt mir, wie ein Baum ist“ – Pedro Almodóvar sicherte sich die Rechte, um daraus einen (bis heute nicht verwirklichten) Film zu machen. Marcos Ana starb am Donnerstag in Madrid im Alter von 96 Jahren.

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