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„Max“ Unwiderstehlich

Markus Orths liest in der Romanfabrik aus seinem Max-Ernst-Roman - und erklärt, weshalb er mit „rauschhaftem Schreiben“ bei diesem Buch nicht weit kam.

Der schreibende Mensch muss sich ständig in Schwung halten und möglichst Geld dabei verdienen. Anregende Projekte helfen ihm dabei, in diesem Fall die „Museumsschreiber“, die in Nordrhein-Westfalen losgeschickt werden, über Kunstobjekte ihrer Wahl Texte zu verfassen (ähnlich offenbar wie bei den „Acht Betrachtungen“ von MMK und Frankfurter Literaturhaus). Markus Orths schrieb also über Max Ernst und merkte sehr bald, erzählte er jetzt in der Romanfabrik, dass da mehr möglich war. In der Tat. Sein Roman „Max“ (Hanser) umfasst mehr als 500 Seiten und erzählt vom Maler, von sechs Frauen und einem Mann in seinem Leben. Eine Großrecherche einerseits, eine gewitzte, aufmerksamer Aneignung surrealer Sprache andererseits. Rauschhaftes Schreiben, sagte Orths, sei ihm hier weitgehend verwehrt gewesen, all die Details, die Sorgfaltspflicht. Es sei auch in einem Roman ein Unterschied, ob man über Menschen schreibe, die es wirklich gegeben habe und über deren Köpfe er nicht einfach habe hinweggehen können. Er habe immer wieder die Handbremse angezogen. Spontaneität habe er sich bei den Bildbeschreibungen erlaubt, auch beispielsweise bei einem fantastischen Dialog zwischen Ernst und Leonora Carrington. Die erste Begegnung mit der vierten Frau („der Liebe seines Lebens“) gehörte zu den vorgelesenen Stellen: Eine hinreißende Szene, in der einem der Unsinn um die Ohren fliegt, aber es ist der wunderschöne, unwiderstehliche, exklusive Unsinn der Liebe.

Im Gespräch mit Michael Hohmann räumte Orths ein, dass einem das eigene Leben nach der Beschäftigung mit Ernst sehr langweilig vorkomme. Dessen Wirkung auf Frauen sei in diesem Ausmaß unbegreiflich, aber erwiesen. Es seien ihm ferner durchaus bezeugte Geschichten untergekommen, die er im Buch wegen ihrer Unglaublichkeit nicht verwendet habe. Anderes – Mögliches – dachte er sich aus. Der Romanautor hat Respekt, aber auch die Oberhoheit.

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