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Martin Walser Wo die Liebe hinfällt

Der Schriftsteller Martin Walser schwärmt für Angela Merkel.

Angela Merkel
Angela Merkel am 12.11.2018. Foto: rtr

Keiner schwärmt schöner als Martin Walser. Seit März ist er 91 Jahre alt und immer noch begeisterungsfähiger, leidenschaftlicher als die meisten seiner Kollegen. Wie es bei der Liebe so ist, verstehen die anderen meist nicht, wo sie hinfällt.

Im neuesten „Spiegel“ schwärmt Martin Walser: „Ich kann immer zu dem Bild der Kanzlerin fliehen, pilgern, wandern, es nimmt mich sofort in Beschlag.“ Das ist nur der Anfang. Walser steigert und steigert sich. „Sie weiß nicht schon vorher, was sie nachher sagen wird. Sie lässt uns erleben, wie die Sätze in ihr entstehen. Das wirkt, als prüfe sie selbst, ob sie das, was sie jetzt sagt, wirklich sagen darf, sagen soll, sagen muss.“ Und dann: „Wir nehmen teil an dieser Entstehung einer Aussage zur Politik. Ihrem Gesicht ist so gut wie nie anzusehen, was sie jetzt wieder zu sagen hat.“ Was denn nun: Sieht man ihr beim Denken zu oder sieht man ihr nicht an, was sie denkt?

Beides. Merkel sieht sich selbst bei der Verfertigung ihrer Gedanken zu, meint Walser. „Wir sollen und dürfen erleben, was diese Frau gerade denkt oder will. Wir sollen und wir dürfen erleben, was diese Frau gerade erlebt. Sie ist ununterbrochen dabei, ihre Gedanken kennenzulernen. Daran lässt sie uns teilhaben. Das ist spannend. Wir erleben es mit ihr, und nichts kann schöner sein als die Absichtslosigkeit dieser Vorgänge.“

Martin Walser entdeckt in Angela Merkel fast die Schönheit der Kunst, die ja in ihren höchsten Momenten nichts anderes ist, als das Vermögen, den Betrachter, den Leser, den Hörer teilhaben zu lassen an der Schönheit des Schöpfung und – wichtiger noch – an der des Schaffens. Angela Merkel ist schön, weil sie uns zu Zeugen macht eines Prozesses, in dem Geist und Natur zusammenfinden, sagt Walser und er sagt es so, dass seine Leser Zeugen eines ebensolchen Prozesses werden. Das aber ist die Schönheit des Absichtlichen, die Schönheit der Kunst.

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