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Louis Begley „Zeig dich, Mörder“ Ein schwerwiegendes Thema

Der amerikanische Schriftsteller Louis Begley hat nun leider auch einen Krimi geschrieben. „Zeig dich, Mörder“, heißt er. Aber so geht es gar nicht.

Mancher Autor scheint zu glauben, es sei sehr einfach, eine Krimiatmosphäre herzustellen. Louis Begley gehört offenbar dazu. Foto: REUTERS

Im vergangenen Jahr überraschte Büchner-Preisträgerin Sibylle Lewitscharoff mit einem Kriminalroman namens „Killmousky“, der dahinplätscherte, als habe er vor allem der Entspannung der Autorin gedient.

Jetzt überrascht Louis Begley („Lügen in Zeiten des Krieges“, „Schmidt“), der auf Deutsch übrigens ebenfalls bei Suhrkamp erscheint, mit einem Kriminalroman, der der Regeneration des Autors gedient haben mag – aber womöglich wünscht er sich inzwischen selbst, das Manuskript wäre in einer Schublade geblieben oder in der Bahn gestohlen worden.

Seltsam, dass mancher renommierte und kunstvolle Romanschreiber meint, es müsse doch ein Leichtes sein, einen Krimi dazwischen zu schieben. Weil man sich an Genre-Regeln festhalten, ein wenig mit ihnen spielen – und ansonsten doch wohl munter von der Leber weg schreiben kann. Oder?

Krimi- und Thriller-Autoren jedoch, die in der ersten Liga spielen, sind entweder Meister des Plot-Hakenschlagens, dann brauchen sie nicht gerade überragende Stilisten zu sein. Oder sie hübschen eine herkömmliche Handlung sprachlich so fein auf, dass man über die von ihnen erfundenen Menschen auch lesen will, wenn man schon errät, was passieren wird. Flache Handlung plus flacher Stil, das jedoch geht gar nicht.

Louis Begleys „Zeig dich, Mörder“ geht gar nicht.

Merke: Superreiche sind immer superböse

Die Handlung: Ein Afghanistan-Rückkehrer und -Held namens Jack Dana wird misstrauisch, als sein Onkel Harry Selbstmord begangen haben soll. Harry war Anwalt und hat den superreichen Boss eines supergroßen Firmenkonglomerats beraten.

Merke: „Selbstmorde“ sind in Krimis fast nie Selbstmorde. Und: Superreiche sind immer superböse. Als Jack Dana, relativ früh im Buch, die Geschichte einer „Notwehr“-Falle erzählt bekommt, weiß man auch schon, dass er diese Falle mindestens so ähnlich aufstellen wird. Die Einzelheiten interessieren dann nicht mehr.

Der Stil: Ich-Erzähler Jack Dana, „Captain Jack“, sexy Jack ist nichts als ein oberflächlicher und gestelzter Plapperer; und sollte das von Begley ironisch gemeint sein, dann kommt es so bei der Leserin nicht an. Gern resümiert Dana vor sich hin: „Nicht zum ersten Mal dankte ich meinem Glücksstern, für meinen Freund Scott (der ist praktischerweise bei der CIA, d. Red.). Ich wusste, er würde sein Leben für mich geben, so wie ich für ihn. Den Männern in meinem Zug und später meiner Einheit hatte ich mich ebenso verbunden gefühlt. Das war die einzige Bewährungsprobe, die zählte.“ Du meine Güte.

Dana befasst sich „mit dem schwerwiegenden Thema von Harrys Tod“ und leitet den Showdown ein mit: „Also war jetzt Krieg, ein Zustand, der mir durchaus vertraut ist. Und in dem ich mich durchaus wohlfühle, das gebe ich zu.“ Das sind durchaus, gibt die Rezensentin zu, Sätze, wie sie einem solchen Autor nicht durchrutschen sollten. Und das Buch ist voll von ihnen.

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