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Literaturm Wer spricht da? Wer ist denn da?

Felicitas Hoppe und das Ensemble Modern eröffnen mit einer flirrenden Performance das Frankfurter Festival Literaturm.

Felicitas Hoppes unwiderstehlicher, früh im Werk niedergeschriebener Satz „Ich bin nicht glücklich und habe nicht vor, es zu werden“, von ihr selbst zitiert in ihrem Roman „Hoppe“, ist der Titel und rote Faden des Abends. Erneut wurde das Frankfurter Festival Literaturm mit einer musikalisch-literarischen Aufführung eröffnet, die diesmal die Büchnerpreisträgerin des Jahres 2012 (des „Hoppe“-Jahres) mit dem Ensemble Modern zusammenbrachte. Literaturm, das, wie der Name schon sagt, eigentlich in Frankfurter Türmen stattfindet, begann wieder fast ebenerdig im Dominikanerkloster. Es war unheimlich voll. Kulturdezernentin Ina Hartwig hatte noch den Namen ihres vor wenigen Tagen gestorbenen Vorvorvorvorgängers Hilmar Hoffmann auf der Begrüßungsliste und gedachte seiner mit Verve. Auch Festivalleiterin Sonja Vandenrath erinnerte an ihn: in diesem Fall an den Erfinder der „Literatur im Römer“, von vornherein mit kostenlosem Eintritt und mit Weinausschank versehen und bis heute zwei Minuten nach Saalöffnung heillos überfüllt.

Dann die flirrende Performance, nach Hoppe-Art federleicht und rabenschwarz zugleich („Ich bin nicht glücklich und habe nicht vor, es zu werden“). Jagdish Mistry (Violine), Eva Böcker (Cello) und Jürgen Kruse (Klavier / Keyboard) spielten dazu das Werk „Prae-Senz (Ballet blanc II in fünf Szenen)“ von Iris ter Schiphorst und Helmut Oehring, von ter Schiphorst für diesen Anlass in eine eigene Fassung gebracht. Eine Fassung, die sich geschmeidig, allerdings auch ohne Schüchternheit oder gar irgendeine Form von Respekt an Hoppes Texte anschloss. Wenn Hoppe von einer Fuge sprach, war die musikalische Interpretation derselben zumindest eigenwillig, jedenfalls keine Fuge, oder? „Weiß du überhaupt, wie das geht?“, fragte also Hoppe weiter im Text, der insgesamt eine Collage war.

Collagenhaft auch „Prae-Senz“, so dass Kaffeehausatmosphäre durch den Saal wehte (wehen klingt vielleicht bloß eine Spur zu luftig mit Blick auf das Raumklima) oder auch Kurorchesterstimmung. Sie will ja zum Beispiel von nun an ihr Leben mit dem Direktor des Kurpark-Orchesters verbringen. Insofern passte das zusammen, während auf Hoppes Lob des einzigen Tons, auf den wirklich Verlass sei (sie meinte das a, glaube ich), besonders unzuverlässige Töne folgten. Ter Schiphorst sorgte nicht für Begleitmusik, sondern für Musik, die auf Hoppes Worte lebhaft, teils plauderesk reagierte. Auch auf gespenstische Lagen ließ sie sich sogleich mit eigenen Akzenten ein.

Hoppes Passagen waren, wie ihr bisheriges Werk insgesamt, eine freche Umkreisung und manchmal auch Verhohnepiepelung des Festivalthemas „Biografie“. „Warum macht sie nicht einfach den Reißverschluss auf und lässt uns einen Blick ins Innere werfen?“ Da war er wieder, der Hoppe-Rucksack aus „Hoppe“, der neugierig macht, aber nicht auf eine Art, die den Verstand ausschaltet. Man verliert nicht aus dem Blick, wie durchtrieben diese Autorin vorgeht, und auch hierbei stand ihr die Musik in nichts nach. Wer spricht da? Was will die Stimme? Ina Hartwig benutzte eingangs die schöne, fundamentale Wendung „Biographical Turn“, die nächsten Tage gehen das teils weiträumiger, teils konkreter an.

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