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Literatur Denn es war an der Zeit

Also erfand Gutenberg den Buchdruck und machte die Bibel umso populärer. Jetzt liegt ein aufwändiger Reprint vor.

Enea Silvio Piccolomini, päpstlicher Legat in Deutschland, war hellauf begeistert: Von einem „bewundernswerten Mann“ und dessen „vollständigen Bibeln“ berichtete er im März 1455 in einem Brief nach Rom, „in höchst sauberer und korrekter Schrift ausgeführt; Euer Gnaden würde sie mühelos und ohne Brille lesen können“. Auch wenn ihm das Ausmaß gewiss noch nicht klar war, so kündete der Kirchenmann, später als Pius II. selbst auf dem Papstthron, von einem revolutionären Ereignis. Denn die Rede ist von Johannes Gutenberg und dessen monumentaler, zweibändiger Bibel – dem ersten Werk der abendländischen Kultur, das mit Hilfe des modernen Buchdrucks gefertigt und vervielfältigt wurde. 

Gutenberg hatte Jahre an seiner so einfachen wie epochemachenden Idee getüftelt: beweglichen, im Handgießverfahren produzierten Metall-Buchstaben, die immer wieder verwendbar und beliebig zusammensetzbar waren und Schriftstücke in jedweder Zahl reproduzieren konnten. Und es war gar keine Frage, an welchem Text er die von ihm selbst so genannte „schwarze Kunst“ erproben sollte: dem Buch der Bücher natürlich.

Etwa 180 Exemplare der Gutenberg-Bibel wurden in den Jahren 1452 bis 1454 in Johannes Gutenbergs Werkstatt in Mainz gedruckt – das war in etwa die Zeit, in der vorher ein Schreiber in einem mittelalterlichen Kloster ein einziges Exemplar abgeschrieben hatte. Neben dem Meister selbst verarbeiteten sechs Setzer und mindestens drei Drucker 48 000 Papierbögen und Pergamente aus den Häuten von 3 200 Tieren.

Wegen des 42-zeiligen Layouts wird die Gutenberg-Bibel auch kurz B-42 genannt. Der Text geht auf die damals maßgebliche Bibelübersetzung des heiligen Hieronymus zurück, der um das Jahr 400 im Auftrag von Papst Damasius I. den altgriechischen bzw. hebräischen Urtext ins Lateinische übertragen hatte. Als typographische Vorlage dienten zwei eng beschriebene Oktav-Ausgaben der Bibel aus dem späten 13. Jahrhundert. 

49 mehr oder weniger gut erhaltene Originale dieses technischen und künstlerischen Meisterwerks haben die Jahre überdauert. Als herausragendes Exemplar, vollständig auf Pergament gedruckt und meisterhaft illuminiert, wurde die B-42 der Göttinger Staats- und Universitätsbibliothek im Jahr 2001 von der Unesco in die Liste des Weltdokumentenerbes aufgenommen.

Digitalisiert ist diese bereits seit Jahren im Netz abrufbar – doch die wahre Größe des Werks erschließt sich dem Betrachter erst blätternd. Zum 550. Todestag des vom Time Magazine zum „Mann des Jahrtausends“ geadelten Johannes Gutenberg präsentiert der Taschen-Verlag dieser Tage einen aufwändigen Nachdruck, inklusive Begleitschrift zur Entstehungs- und Wirkungsgeschichte dieses ersten industriellen Massenartikels.

Er war seinerzeit im Übrigen im Nu vergriffen. Selbst der päpstliche Legat ging leer aus. „Schon vor der Vollendung der Bände“, so klagte er, hätten „die Käufer bereitgestanden“.

Stephan Füssel (Hg.): Die Gutenberg-Bibel von 1454. Benedikt Taschen Verlag 2018. 1400 S., 2 Bände, 100 Euro.

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