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Literatur „Arrogant und respektlos“

Autorin Camille Paglia attackiert den rechten Antaios Verlag.

Die amerikanische Feministin Camille Paglia, geboren 1947, in Deutschland vor allem bekannt durch „Die Masken der Sexualität“ und „Sexualität und Gewalt oder: Natur und Kunst“, klagt gegen die deutsche Ausgabe ihres Buches „Free Women, Free Men“, die im rechten Antaios Verlag den Titel „Frauen bleiben, Männer werden“ erhielt.

In einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ erklärte Camille Paglia: „Noch nie bin ich einem Verleger begegnet, der so unsensibel gegenüber einem juristischen Vertrag ist oder so arrogant und respektlos gegenüber Schriftstellern und ihrer Arbeit... Ich distanziere mich von allen Verbindungen zu dieser deutschen Ausgabe. Ich bin schockiert und abgestoßen von dem skrupellosen Verhalten meines deutschen Verlegers, der meine Worte ohne Erlaubnis verändert hat.“ Alle Exemplare der deutschen Ausgabe sollen, so ihre Forderung, vernichtet werden.

Camille Paglia landete bei Antaios, weil kein anderer deutscher Verlag ihr Buch  hatte drucken wollen. Ein Schicksal, das Camille Paglia von Anfang an begleitete. Ihr Klassiker „Sexual Personae“ war von sieben Verlagen und fünf Literaturagenten abgelehnt worden, bevor es endlich 1990 bei der Yale University Press erschien.

Sie ist der Auffassung, es sei naiv, sich Sexualität ohne Gewalt vorzustellen. Sexualität ist auch nicht restlos zu versprachlichen. Ein „Ja ist Ja und Nein ist Nein“ verfehlt aus ihrer Sicht, worum es bei der Sexualität geht. De Sade ist für sie einer der wichtigsten Aufklärer. Wo sexuelle Befreiung versucht werde, sei darum der Sadomasochismus nicht weit.

Camille Paglia wendet sich gegen die Vorstellung von einer nichts als sauberen Sexualität. Vor allem aber dagegen, alles, was von ihr abweicht, zu verfolgen. Aber gerade weil sie sich der engen Verbindung von Sexualität und Macht bewusst ist, war sie wohl eine der wenigen Intellektuellen der USA, die in der Lewinsky-Affäre Bill Clinton zum Rücktritt aufforderten. Er hätte, gerade weil er sich in einer Machtposition befand, dem sexuellen Impuls nicht nachgeben dürfen. Dass er das tat, machte ihn für Paglia nicht zum Unmenschen, aber ungeeignet als Präsidenten.

Camille Paglia zeigt in ihren Büchern, wie eng überall Religion, Macht, Sexualität und Kultur zusammenhängen, wie sehr also auch Pornographie und Kunst. Sie macht sich damit kaum Freunde. Weder links noch rechts. Im Oktober wird in den USA im Pantheon Verlag ihre neue Essaysammlung erscheinen. Titel: „Provocations“.

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