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Liebesroman Ein Paar-Spiel zwischen Glück und Leid

Shirley Hazzards großartiger Roman „Transit der Venus“ erscheint endlich auch auf Deutsch.

NEW-YORK-EMPIRE STATE BUILDING
New York in den fünfziger Jahren, eine „in Maschinen und Gebäuden zur Schau gestellte Professionalität“. Foto: AFP

Transit der Venus“ einen Liebesroman zu nennen, ist zwar korrekt, sogar notwendig als Fingerzeig; aber die Bezeichnung weckt doch auch Erwartungen, wie sie teils unpassender nicht sein könnten. Denn zwar gibt es auf diesen Seiten Paare, die auflodern, Paare, die bloß glimmen, sich halbwegs wärmen. Solche, die einmal kurz kollidieren, dass die Funken sprühen – aber das war’s. Dazu solche, die sich nur aushalten – und irgendwann nicht mehr. Aber Shirley Hazzard, deren Liebes- und Lebensroman „The Transit of Venus“ 1980 im Original, jetzt erst auf Deutsch erschien, lässt in dichten Zeilen gar keinen Platz für Sentimentalitäten und Gefühligkeiten.

Was für eine Entdeckung „Transit der Venus“ ist (auch dank der Übersetzerin Yasemin Dinçer)! Denn die 1931 in Australien geborene, 2016 gestorbene Hazzard ficht mit einem stilistischen Florett mit ganz feiner, eisgekühlter Spitze. Man möchte jeden ihrer eleganten Sätze als einen Treffer bezeichnen. Manche sind dezent ironische Piekser, bei anderen meint man, die böse Formulierung müsse Blutstropfen ziehen. Jede Figur wird geschwind, präzise eingezirkelt.

Das glück- wie leidvolle Paar-Spiel beginnt irgendwann Ende der 40er, Anfang der 50er Jahre (Hazzard ist da nicht sehr spezifisch, aber es ist Nachkriegszeit): Zwei junge australische Schwestern, Caro und Grace, und ihre ältere Halbschwester Dora haben es einige Zeit nach dem frühen (Unglücks-)Tod der Eltern nach England, ins Mutterland geschafft.

Ted ist für Caro nur eine „unreife rötliche Präsenz“

Wo ihr Gastgeber, ein alternder, kranker Wissenschaftler nicht begeistert ist, dass sich sein Sohn Christian alsbald mit Grace verlobt, der „hellen“ Schwester – obwohl sie sich im Weiteren doch als „friedlich und formbar“ und „heldenhaft normal“ erweist. Während Caro, die „dunkle“ (dunkelhaarige), für den Staatsdienst lernt und eine Affäre mit dem ebenfalls verlobten (allerdings mit einer anderen) Paul Ivory hat – einem Dramatiker, der im Verlauf mit seinen Stücken noch recht berühmt werden wird. Ivory wird die Verbindung kappen, abrupt, brutal. „Für Paul war Ehrlichkeit etwas, worauf er zurückgreifen konnte, wenn anderen Methoden die Luft ausging.“

Auf den ersten Seiten schon bietet sich Caro eine Alternative an: der junge, rotlockige Astronom Ted Tice, den ein Unwetter geradezu ins Haus spült und der sich auf der Stelle verliebt. Aber ach: „Dieser Mann war für sie nicht mehr als eine unreife rötliche Präsenz in einem Cardigan mit Zopfmuster.“ Viele Jahre lang wird das so bleiben, Ted Tice ist alles andere als wankelmütig. Aber Caroline Bell wird nach der Enttäuschung mit Paul einen reichen, politisch engagierten Amerikaner heiraten – „Sie haben Glück, Sir, es gab eine Absage“, sagt sie zu Adam Vail im entscheidenden Moment – und sie wird versorgt sein, als er in mittleren Jahren an einem Schlaganfall stirbt.

Sie ist dann eine wohlhabende Witwe in New York, einer Stadt, die sie mit distanziertem Blick wahrnimmt – Hazzard ist auch eine Meisterin des distanzierten, klaren Blicks – als eine „in Maschinen und Gebäuden zur Schau gestellte Professionalität“. Caro geht durch die Stadt, versucht, Straße um Straße kennenzulernen. Und ist, wenn sie nicht gerade am Arm Adam Vails spaziert, furchtbar einsam.

Neuseeland: Furchtbar provinziell

Noch vor Adams Tod werden Kennedy und King erschossen, hinterlässt „die Kreppseele des modernen Menschen einen Abdruck auf dem Mare Tranquillitatis“ und folgt Caro ihrem Mann für eine Weile in ein südamerikanisches Land, aus dem er wohlmeinend und mit diplomatischem Geschick einen politisch verfolgten Dichter zu retten versucht; der gar nicht gerettet werden will.

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