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Leonie Swanns Schafe ermitteln wieder Was tun gegen den Mehrwolf?

Leonie Swanns "Garou" ist ein Spaß. Aber was wäre ein Schafkrimi ohne dunkle Ecken? Nur eine Geschichte über ein paar nicht gerade gescheite Tiere, die Tarotkarten fressen. Von Sylvia Staude

Ein Schaf-Thriller Foto: Goldmann

Man kann Leonie Swann (das gut gehütete Pseudonym einer 1975 geborenen deutschen Autorin) nicht vorwerfen, dass sie sofort versucht habe, den Rummel um ihren Erstling "Glennkill" zu noch mehr Geld zu machen: Fast fünf Jahre hat sie gebraucht, bis dem allein in Deutschland 1,5 Millionen Mal verkauften und in 30 Sprachen übersetzten "Schafkrimi" nun eine Fortsetzung gefolgt ist. Vor Tagen erst erschienen, kommt diese den Vampiren Stephenie Meyers auf den Bestsellerlisten bereits gefährlich nahe.

Gegen die Blutsauger bietet Swann in "Garou" ein anderes Schaudern machendes mythisches Geschöpf auf: einen Werwolf, französisch loup-garou. Die irischen Schafe, die im ersten Roman den Mörder ihres Schäfers finden mussten, sind nun sozusagen auf Winterfrische in Frankreich, unter guter Obhut der Schäfertochter Rebecca. Doch müssen sie sich alsbald mit dubiosen Zweibeinern in einem Schloss auseinandersetzen, mit blutig zerfetzten Rehen im Schnee und mit der Angst, das Schicksal ihrer Vorgängerherde zu teilen: Diese Schafe wurden offenbar allesamt von Unbekannt (dem Mehrwolf?) gemeuchelt, so erst entstand die Weide-Vakanz.

Es macht den Charme auch dieses zweiten Schaf-Thrillers aus, dass die Tiere - eigentlich! - ziemlich dumm und ziemlich feige sind. Regelmäßig schnappen sie Menschen-Sätze auf, aber regelmäßig missverstehen sie sie. Willensstärke wird bei ihnen zur Wollensstärke, Sprengsätze zu Springsätzen, beim Wort "verwanzt" denken sie an Ungeziefer, sie versuchen, mit einem leider ganz stumm bleibenden Auto zu verhandeln, dass es sie woanders hinfährt, und Probleme dadurch zu lösen, dass sie Verdächtiges, etwa Tarotkarten, auffressen.

Aber sie sind ja eine Herde und ergänzen sich: Leonie Swann hat sich in der Literaturgeschichte bedient, um die kluge Miss Maple zu erfinden, den schwarzen Leitwidder Othello, die idealistische Cordelia oder ein Lamm, das sich selbst den Namen des "Sturmhöhe"-Helden Heathcliff gibt.

"Garou" ist ein Spaß. Ein Spaß mit ein paar dunklen Ecken: Geisterschafen, dämonischen Ziegen, mysteriösen Menschen. Aber was wäre ein Schafkrimi ohne dunkle Ecken? Nur eine Geschichte über ein paar nicht gerade gescheite Tiere.

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