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Leipziger Buchmesse Proteste in Leipzig gegen rechte Verlage

Die Buchmesse will bunt und tolerant sein. Aber schließt das auch rechte Verlage ein? Zur Eröffnung gab es ein klares Plädoyer gegen Ausgrenzung und für Diskurs - und Proteste gegen Rechts.

14.03.2018 19:12
André Jahnke und Nada Weigelt, dpa
Esther Kinsky
Esther Kinsky wird mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik ausgezeichnet. Foto: Jens Kalaene

Mit einem Aufruf zu Respekt, Toleranz und Vielfalt startet die Literaturbranche auf der Leipziger Buchmesse in den Bücherfrühling. Angesichts des Erstarkens rechter Kräfte und Verlage sagte Börsenvereinschef Heinrich Riethmüller am Mittwochabend bei der Eröffnungsfeier, die gesamte Zivilgesellschaft sei gefordert, sich wieder mehr mit inhaltlichen Themen auseinanderzusetzen und auch extreme Positionen nicht wegzuschweigen.

„Ein lebendiger Meinungsbildungsprozess, der geprägt ist von der inhaltlichen Auseinandersetzung, dem Austausch, der Diskussion und der Debatte, ist essentiell für eine Demokratie“, sagte Riethmüller laut vorab verbreitetem Redemanuskript bei einem Festakt im Leipziger Gewandhaus.

Protest der Initiative #verlagegegenrechts

Etwa 400 Menschen haben zur Eröffnung am Mittwochabend in Leipzig gegen rechte Verlage auf der Buchmesse protestiert. „Wir werden nicht hinnehmen, dass rechte Ideologien auf der Buchmesse verbreitet werden“, sagte René Arnsburg, Mitinitiator von #verlagegegenrechts auf der Kundgebung vor dem Gewandhaus. Es gehe nicht um ein Verbot, sondern um Widerstand.

Hinter der Initiative stehen mehr als 70 unabhängige Verlage sowie rund 200 Einzelpersonen, die einen Aufruf gegen rechte Stimmungsmache auf der Buchmesse unterzeichnet haben.

Auch auf der Messe selbst hat die Initiative Aktionen geplant. „Wir wollen aber keine Tumulte. Die helfen nur den rechten Verlagen, weil sie dann in der Opferrolle sind. Wir wollen eine politische Diskussion und mit den Messebesuchern ins Gespräch kommen“, sagte Arnsburg.

Leipziger Buchmesse verteidigt Zulassung rechter Verlage

Die Leipziger Buchmesse hatte zuvor die Zulassung rechter Verlage verteidigt. „Wenn ein Verlag nicht gegen das Grundgesetz verstößt, kann ihm die Teilnahme auf der Buchmesse nicht verwehrt werden“, sagte der Geschäftsführer der Leipziger Messe, Martin Buhl-Wagner, am Mittwoch vor der offiziellen Eröffnung. Man müsse auch schmerzhafte Diskussionen zulassen, auch wenn diese nur Provokationen seien.

Die rechtsgerichtete Wochenzeitung „Junge Freiheit“ hatte in der Vorwoche ihre Teilnahme an der Buchmesse zurückgezogen. Durch die Standplatzierung in einem von der Messe konstruierten „rechtsextremen Block“ von Verlagen sei eine Teilnahme absolut rufschädigend und wirtschaftlich sinnlos, hieß es in der Begründung.

Auch Riethmüller verteidigte die Zulassung rechter Verlage zu dem viertägigen Branchentreff. „Wenn wir Meinungsfreiheit ernst nehmen, müssen wir sie auch jenen zugestehen, deren Wertvorstellungen und Meinungen wir nicht teilen, ja deren Ansichten wir sogar für gefährlich halten“, sagte er. Riethmüller begründete das Nein zu einer Ausgrenzung Andersdenkender mit den Erfahrungen in der NS-Zeit. Damals habe sich der Börsenverein des Deutschen Buchhandels aus opportunistischen Beweggründen den neuen Machthabern angedient und freiheitliche Grundwerte über Bord geworfen, sagte er. „Unser innerer Wertkompass ging uns verloren. Daraus haben wir gelernt.“

Im vergangenen Herbst war es auf der Frankfurter Buchmesse zu Tumulten an den Ständen rechter Verlage gekommen. Nach den Zusammenstößen zwischen rechten und linken Aktivisten in Frankfurt wurden in Leipzig die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. Einzelheiten nannte der Buchmessechef Oliver Zille nicht. Er betonte, Verlage aus dem rechten Spektrum dürften in Leipzig ausstellen, solange sich die Publikationen im Rahmen der Gesetze bewegten.

Buchpreis für Norwegerin Åsne Seierstad

Mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung wurde die norwegische Autorin Åsne Seierstad geehrt. Die 48-Jährige erhielt die mit 20.000 Euro dotierte Auszeichnung für ihr Buch „Einer von uns“ über den norwegischen Massenmörder Anders Breivik.

Mit Spannung wird für den ersten Messetag am Donnerstag die Vergabe des renommierten Leipziger Buchpreises erwartet. In der Sparte Belletristik sind fünf Autoren nominiert: Isabel Fargo Cole („Die grüne Grenze“), Anja Kampmann („Wie hoch die Wasser steigen“), Esther Kinsky („Hain: Geländeroman“), Georg Klein („Miakro“) und Matthias Senkel („Dunkle Zahlen“). Auch in den Kategorien Sachbuch/Essayistik und Übersetzungen gibt es jeweils fünf Bewerber.

Zur Buchmesse und dem dazugehörigen Lesefestival „Leipzig liest“ werden knapp 300.000 Besucher erwartet. Vor allem junge Leute sind von der parallel laufenden Manga-Comic-Con angezogen.

Bei der Buchmesse stellen bis zum Sonntag mehr als 2600 Verlage aus 46 Ländern ihre Neuerscheinungen vor. Gastland ist dieses Jahr Rumänien. (dpa)

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