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Kristof Wachinger Als Verleger sein eigener Mäzen

Zum Tod von Kristof Wachinger, der Langewiesche-Brandt zu einer kleinfeinen Literaturadresse hat aufblühen lassen.

Sein Einzelgängertum als Verleger, gedeckt von einem ausgedehnten Schaffen, ist allseits anerkannt. Kristof Wachinger folgte einer Berufung, anders kann man es nicht nennen, die ihn als Verleger, Lektor und Hersteller umtrieb. Aber als Literatur-Enthusiast war er vor allem ein Entdecker und Autorenfreund, geprägt von einer Unbedingtheit in künstlerischen Belangen. Selbstlos hat er zusammen mit seiner Frau Helga Wachinger den Verlag Langewiesche-Brandt, von seinem Großvater Wilhelm Langewiesche 1906 begründet, seit 1954 zu einer kleinfeinen Literaturadresse aufblühen lassen. Seitdem war er, der gelernte Drucker und Buch-Ästhet, was er immer werden wollte: Ein unabhängiger Verleger. Das aber ging nur, weil er über die Jahre „sein eigener Mäzen“ (Robert Leicht) wurde. „Wenn der Verlag sich trägt in einem Jahr, dann sind wir glücklich und stolz. Tut er es nicht, dann sind wir von der Messe bis über Weihnachten demütig und komischerweise geht es dann doch wieder.“ Immer blieb er unablenkbar, ergeben hat er sich nie.

Kristof Wachinger hat in Deutschland als erster Robert Frost und Edward Estlin Cummings gedruckt, aber auch Anna Achmatowa und Sergej Jessenin. Das Werk von Ivan Goll und Paula Ludwig hat er früher als andere gepflegt, Albrecht Haushofer und Georg von der Vring vor dem Vergessen bewahrt.

Die Ostdeutschen Sarah Kirsch und Richard Leising entdeckte er für den Westen. Albert von Schirnding und Jochen Missfeldt hat er mit Hingebung den Weg geebnet. Die gut sechshundert Bücher, die Kristof Wachinger verlegt hat, sind eine Bibliothek für sich. Dabei waren die poetischen Textura-Bände von besonderer Art, nicht nur durch Autorennamen, sondern auch in ihrer Ausstattung: Individuell auf einen Text abgestimmte Schrifttype, nachgeglättetes Papier, Fabriano-Bütten als Umschlag. Mit dem Roman „Vorläufige Ankunft“ von Schirnding, Gedichten von Missfeldt und von Sophia de Mello Breyner Andresen hat Wachinger sich als Verleger 2010 verabschiedet. Als Achtzigjähriger verkaufte er an C. H. Beck, wo sein verlegerisches Erbe in Teilen weitergetragen, die Reihe „textura“ fortgeführt wird.

Wie erst jetzt bekannt wurde, ist Kristof Wachinger am 2. Juli im Alter von 88 Jahren in Ebenhausen bei München gestorben. Ein unabhängiger, unbestechlicher, selbstloser Verleger. Und seinen Autoren zeitlebens ein verlässlicher Freund. Ein beispielhafter Mann.

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