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Krimis Schon gibt es was zu ermitteln

Drei munter erzählte, nicht zu gruselige Kriminalromane von Simone Buchholz, Lucie Flebbe und Graham Norton.

Irland
Polizei in Irland. Foto: afp

Die rauchende und trinkende Staatsanwältin Die in Hanau geborene, als überzeugte Hamburgerin lebende Simone Buchholz hat einen eigenen, schnoddrig-philosophischen Erzählton perfektioniert. Exemplarisch dafür kann schon der Titel ihres jüngsten Kriminalromans stehen, „Beton Rouge“: Knapp vorbei an der US-amerikanischen Stadt Baton Rouge, dazu mit den Wörtern Beton und Rot spielend – es geht unter anderem um einen hässlichen Fall von Fahrerflucht, Blut sickert in den Asphalt. „Beton Rouge“ ist irgendwie pfiffig und cool, wie auch Sprüche à la „Sonderzug nach Nichtzuhause fährt in zwei Minuten.“ Chastity Riley heißt die spektakulär rothaarige, spektakulär viel rauchende und trinkende Staatsanwältin in „Beton Rouge“, neben ihr weiß diesmal ein Kommissar namens Ivo Stepanovic vom LKA44 ebenfalls chilischotenscharf zu formulieren. Und dann noch dieser, nun ja, außergewöhnliche Fall: Erst einer, dann zwei Manager des Großverlags Mohn & Wolff (kaum verkleidet: Gruner & Jahr) werden gequält, in einen Käfig gepackt und morgens vor dem Verlagseingang ausgestellt. Bis zum Eintreffen der Polizei natürlich nur. Dann verschwindet der dritte Verlagsboss … Simone Buchholz’ originelle Schreibe und manches Scherzchen am Rande – das Riesenkonzerthaus am Hafen wurde mittlerweile rückgebaut – reißen raus, dass die Klischees über Internate, fränkische Käffer, Journalisten etc. hier doch recht dick aufgelegt werden.

Simone Buchholz: Beton Rouge. Kriminalroman. Suhrkamp, Berlin 2017. 228 S., 14,95 Euro.

Die suizidale Privatdetektivin Auch an Lila Ziegler ist so einiges ungewöhnlich – am meisten ihr Alter. Lucie Flebbe lässt sie auch im mittlerweile neunten Lila-Ziegler-Krimi noch bloße 20 sein. Am Ende entschließt sich die Privatdetektivgöre einerseits zu einem Studium, das könnte was werden, andererseits schwört Flebbe, es sei der definitiv letzte Lila-Krimi. Zuletzt jedenfalls muss die Schnüfflerin der Polizei ausgerechnet in der Klinik unter die Arme greifen, in die sie nach einem Selbstmordversuch eingewiesen wurde. „Aber hätte ich wirklich damit rechnen können, dass eine meiner Psychologinnen ermordet wurde?“, lässt Flebbe sie überlegen. Aber ja, bei der bisher schon unglaublichen Morddichte in ihrem 20-jährigen Leben unbedingt. Die Handlung dort ist dann so durchsichtig wie der Bergbach, in den sich die Patienten „gedanklich als Forellen“ imaginieren sollen. Allerdings ist Lila wie Chastity nicht auf den Mund gefallen, kann Flebbe außerdem eindrücklich eine so nassforsche wie verletzliche junge Frau beschreiben, die erkennt: „Ich hab noch nie irgendwo reingepasst“. Dass sie zu Beginn von „Totalausfall“ im Krankenhaus aufwacht (Pulsadern, Tabletten), dafür ist ihr gewalttätiger Vater verantwortlich. Leider wird man nun nicht mehr lesen können, wie sie ihm die Misshandlungen nachweist – und weiterlebt.

Lucie Flebbe: Totalausfall. Kriminalroman. Grafit, Dortmund 2017. 270 S., 11 Euro.

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