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Kriminalroman Persson Lorbeeren für den Widerling

Leif GW Persson setzt seine Bäckström-Reihe mit vergnüglicher Schärfe fort: „Der glückliche Lügner“ spielt auch im Kunsthändler-Milieu.

Polizei in den Straßen von Stockholm. Foto: REUTERS

Der Schauspieler Rainn Wilson („The Office“) hatte geschworen, nie wieder in einer Fernsehserie mitzuspielen. Dann kam das Skript für „Backstrom“ – und er konnte nicht widerstehen: Evert Bäckström (so die Schreibweise in der deutschen Übersetzung) ist vermutlich der widerlichste Kommissar des Planeten Erde, wenn nicht des Alls. Eine Traumrolle also.

Der schwedische Krimiautor und Professor für Kriminologie Leif GW Persson hat die Figur Bäckström erfunden, die korrupt, intrigant, faul, rassistisch (auch gegen Finnen, besonders gegen Finnen!) ist, zudem sexistisch und sexbesessen, versoffen und verfressen. Ein Kollegen- bzw. Vorgesetztenschwein. Dabei gerissen, so dass er als Ermittler durchaus Erfolg hat – vielmehr klären seine kujonierten Untergebenen so einiges auf, da sie im Gegensatz zum Chef ihre Arbeit hochprofessionell machen. Und er erntet die Lorbeeren, so gefällt es ihm.

Der dritte Band mit Evert Bäckströms, nun ja, Abenteuern ist nun auf Deutsch erschienen, „Der glückliche Lügner“. Darin lernt der Kommissar immerhin, dass es bei Kunst nicht um die Provinz geht, sondern um die Provenienz. Und dass eine alberne Pinocchio-Spieluhr einen immensen Wert haben kann, wenn nur die Provenienz stimmt. Gleich sieht Bäckström die Chance, den Jungen mit der langen Nase für sich beiseite zu schaffen und bei Gelegenheit teuer zu verscherbeln. Er legt sich allerdings dabei doch mit größeren, skrupelloseren Gaunern an, als er einer ist.

Auch der Hund ist Opfer

Ein Amateur-Kunsthändler wird niedergeschlagen, will aber partout nicht sagen, von wem. Ein bekannter Rechtsanwalt wird totgeschlagen; bald stellt sich raus, dass er Streit hatte mit dem Amateur-Kunsthändler und für dessen Verletzungen verantwortlich war. Außerdem, für die leidenschaftliche Tierschützerin unter den Stockholmer Ermittlern auch nicht irrelevant: Der Hund des Rechtsanwalts wurde ermordet, vorher gelang es dem Tier offenbar noch, den Täter zu beißen. Ein Taxifahrer sah jemanden aus dem Haus hinken, Blutspuren liegen vor. Ein hochkomplexer Fall.

Persson, Jahrgang 1945, war lange im Polizeidienst und schreibt seine Krimis einerseits als lupenreine „procedurals“, die üblichen Schritte einer Ermittlung nachzeichnend. Andererseits ist die Bäckström-Reihe, indem Persson nämlich auch immer wieder in den Kopf des Ekelpakets schlüpft, fast eine Büro-Satire. Wie der Kommissar sich, eine Sitzung im Ministerium vorschützend, für Stunden ins Restaurant begibt. Wie er der jungen Polizistin penetrant auf den Busen glotzt und die ältere so geschickt abmeiert, dass sie kaum weiß, wie ihr geschieht. Wie er gelangweilt in den Besprechungen sitzt und denkt: „Scheiß auf die Details.“ Bäckström ist der personifizierte Egoist und Zyniker – und er fährt auch noch gut damit.

Ein Windhund in einer soliden Krimihandlung: das ist eine im besten Sinn unterhaltsame Mischung.

Leif GW Persson: Der glückliche Lügner. Roman. Aus dem Schwedischen von Wibke Kuhn. btb 2015. 656 Seiten, 19,99 Euro.

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