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Kriminalroman Mit dem Sterben hat er noch keine Erfahrung

„Die letzten Meter bis zum Friedhof“, ein trüffelschwarzer Kriminalroman des Finnen Antti Tuomainen.

Finnischer Wald
Finnischer Wald mit sicherlich dem ein oder anderen Pilz. Foto: afp

Die letzten Meter bis zum Friedhof“ – und das auch noch auf einem schmalen Grat: Zwischen Ernst und schwärzestem Humor, zwischen Verzweiflung und Trotz hält aber Antti Tuomainens Roman über einen Todgeweihten, der herausfinden will, wer ihn ermordet hat, die Balance ziemlich gut. Sein Ich-Erzähler Jaakko, 37, Unternehmer im Pilzhandel, erfährt vom Arzt, dass er vergiftet wurde. Hustenanfälle, Kopfschmerzen, Übelkeit, das hat nichts mit einem verschleppten grippalen Infekt zu tun, so der Doktor, sondern damit, dass Jaakkos innere Organe nach und nach die Arbeit einstellen werden. Nichts mehr zu machen. Aber möchte er vielleicht eine Sterbebegleitung? Medikamente zur Beruhigung? Schmerzmittel?

Was macht man in dieser Situation, man kann ja kaum auf einschlägige Erfahrungen zurückgreifen. „Der Tod kommt ja nur ein Mal im Leben.“ Am besten erst nach Hause fahren und mit seiner Frau reden. Aber draußen im Garten, auf der Liege, treibt es Taina gerade mit dem knackigen Petri, Fahrer der Pilzhandelsfirma. Kein Wunder, dass Jaakkos Giftmischer-Verdacht sofort auf die beiden fällt, denn hat nicht Taina so gut und reichlich für ihn gekocht, dass er 24 Kilo mehr wiegt als am Tage ihres Kennenlernens? Und ließe sich ein langsam tödlicher Pilze- oder Pflanzenmix da nicht allemal unterbringen, in der Sahnesoße etwa, ohne dass man etwas herausschmeckt?

Jaakko erstellt also für seine letzten Tage/Wochen eine To-do-Liste, mit 1. laufende Projekte, darunter „Ermittlung. Wer hat mich vergiftet?“, 2. geplante Projekte, darunter nur „Am Leben bleiben (so lange wie möglich)“.

Doch da sind noch die neuen, mehr als nur latent fiesen Konkurrenten von der Pilz GmbH Hamina: der durchtrainierte, unnatürlich sonnengebräunte Asko, der „Breit-wie-ein-Scheunentor“ Juhani, der schmächtige Juhana. Keine freundlichen Menschen, bei denen zudem superscharfe Schwerter an der Wand hängen, die sie wohl auch einzusetzen bereit sind. Und sie wollen Sanni abwerben, Jaakkos topkompetente Chef-Pilzsammlerin. Sie wollen auch Olli abwerben, den Techniker. Raimo, den Einkäufer. Und sie locken Petri mit dem Versprechen eines neuen Transporters. Aber wenn es um seine Firma geht, dann versteht Jaakko gar keinen Spaß, und sei es lebenszeitlich noch so knapp.

Es steckt einiges an aberwitziger Action in diesem lakonischen, im finnischen Hochsommer spielenden Roman, etwa ein (Zwischen-)Showdown in einer – selbstverständlich – Sauna. Man begleitet Jaakko ins Café, wo er ein Eis schleckt – so ziemlich das einzige Lebensmittel, bei dem ihm nicht kotzübel wird. Man begleitet ihn aufs Meer, wo er einen Kollateralschaden versenkt. In Unterwäsche steht er vor Sannis Tür. Oder schleicht in strömendem Regen (wie die Pilze wachsen werden!) durch den Wald. Er kämpft bis zuletzt, er kämpft trotz gelegentlicher Ohnmachtsanfälle und heftigem Erbrechen. Und er weiß: „Es wird mir schwerfallen, das Leben loszulassen. Zumal ich nichts Vergleichbares kenne.“

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