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Kriminalroman Der Polizist, der den Kollegen nicht trauen kann

David Whish-Wilsons dunkel-beklemmender Korruptions-Thriller „Die Ratten von Perth“.

Polizei
Ein totes Wombat vor den Füßen eines australischen Polizisten. Foto: rtr

Eine Bordellbesitzerin im westaustralischen Perth wird in ihrem Auto mit vier Schüssen getötet. Sechs Monate später tappen die Ermittler immer noch völlig im Dunkeln. Es tritt also der Mann auf, hier heißt er Frank Swann, der den Fall durch minutiöse Polizeiarbeit und vielleicht auch mittels ein paar kleinen Intuitionen lösen wird. Seine Kollegen werden ein bisschen verärgert sein, dass er ihnen gezeigt hat, wie’s geht. Aber dann werden sie alle wieder zusammenarbeiten im Kampf gegen das Verbrechen.

So wäre es in einem Krimi nach Schema 08/15. In David Whish-Wilsons dunkel-beklemmendem, aber doch nüchtern erzähltem „Die Ratten von Perth“ („Line of Sight“, 2010) geht die Geschichte so: Sechs Monate nach dem Mord an Ruby Devine (die Frau hatte einen anderen Namen, aber es gab sie in Perth) ist Frank Swann schon mindestens seit fünf Monaten und 29 Tagen klar, dass Kollegen die Bordellbesitzerin getötet haben. Längst hat er auch den Mund aufgemacht, hat korrupte Kollegen öffentlich benannt. Darum beginnt der Roman am 25. November 1975 mit einer Royal Commission, einer Gerichtsverhandlung über die Vorwürfe Swanns. Richter Partridge wurde dafür aus dem Ruhestand geholt, er ist nicht mehr bei guter Gesundheit. Da sitzt Swann nun, den Anzug „frisch gebügelt, seine Haare gekämmt, die Schuhe geputzt und die Krawatte korrekt geknotet“. Gleich muss er sich anhören, wie „Zeugen“ seinen Charakter angreifen und seine psychische Stabilität in Zweifel ziehen.

Tatsächlich geht es Swann nicht gut, schließlich ist seine älteste Tochter verschwunden, und inzwischen hat er kaum noch Hoffnung, dass sie aus Teenager-Trotz abgehauen sein könnte. Während er jeden Tag mit dem Schlimmsten rechnet, wohnt er im Hotel, hält absichtlich Abstand zu seiner restlichen Familie. Es genügt, findet er, wenn er selbst vermutlich auf der Abschussliste seiner Kollegen steht. Whish-Wilson übrigens schraubt die Spannung hoch, indem er immer wieder auch aus der Perspektive eines Killers erzählt, der sich in Perth darauf vorbereitet, einen Auftrag auszuführen.

„Die Ratten von Perth“ schildert nicht die übliche Polizeiarbeit und interessiert sich nicht für die Frage, wer von den Beamten den Mord begangen haben könnte. Es geht nur darum, ob Swann sich Zug um Zug in diesem Schachspiel behaupten kann. Er und ein störrischer alter Richter, der sich nicht einfach wieder absetzen lassen will. Whish-Wilson schafft es, einen durchaus nicht übertrieben heldenhaften, aber aufrechten Polizisten zu zeichnen, dem man bald die Daumen drückt. Bei Suhrkamp sollen nach „Die Ratten von Perth“ auch die beiden anderen Bände einer Frank-Swann-Trilogie erscheinen.

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