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Krimi Von Leuten, die ihre Nase überall reinstecken

Frank Heller, Thomas Raab und Gudrun Lerchbaum lassen in ihren Kriminalgeschichten und -romanen die Polizei eher außen vor.

Österreich
So stellt man sich Österreich vor. Aber so ist es eher nur punktuell. Foto: afp

Dr. Joseph Zimmertür, Hobbydetektiv, klein und rund, ist ein bisschen Miss Marple, etwas mehr Sherlock Holmes, jedenfalls aber eine einprägsame, auf Anhieb sympathische Figur. Dr. Joseph Zimmertür lässt auch mal fünfe gerade sein, schickt einen Möchtegern-Mörder nach Hause, zeigt sich milde und als Seelenklempner gewieft. Denn das ist die Hauptfigur von Frank Hellers Kriminalgeschichten von Beruf, Geschichten, die in Amsterdam spielen und 1927 erstmals auf Deutsch erschienen. M. Gunnar Serner (alias Frank Heller), geboren 1886 in Lösen, Schweden, fälschte Schecks, verspielte sein (ergaunertes) Vermögen, floh ins Ausland, war als Schriftsteller erfolgreich. Friedrich Wilhelm Murnau verfilmte einen seiner Romane als „Die Finanzen des Großherzogs“. So pfiffig wie herrlich überkandidelt (wie ja auch Holmes entschieden überkandidelt ist) sind Hellers/Serners Erfindungen um diesen Verbrecherseelen messerscharf analysierenden Freud. Der Verlag Walde+Graf hat sie in einem hübschen Bändchen in der alten Übersetzung von Marie Franzos wiederaufgelegt – und das einzige Missvergnügen entsteht durch allzu viele Tipp- und andere Fehler.

Hannelore Huber ermittelt

Der Österreicher Thomas Raab hat seine (Willibald- Adrian-)Metzger-Krimis zur Ruhe gelegt und startet eine neue Reihe um eine Bäuerin im Rentenalter mit Namen Hannelore Huber, genannt Hanni, lebend und ihren Garten pflegend schon immer im Dorf Glaubenthal. Oh ja, es geht hier auch um Heimat und dass sie vor allem von den Menschen um einen herum hergestellt wird. Hanni ist’s allerdings zufrieden, dass nun ihr Walter begraben wird – schon lange hatte man sich nichts mehr zu sagen -, da aber liegt am Ende gar nicht Ehemann Walter im Sarg, sondern der Totengräber. Und als dann eine weitere Leiche auftaucht, ist es wieder nicht Walter. Das kann einen schon fuchsig machen. In Thomas Raabs Krimis ist die Welt noch ziemlich in Ordnung und gibt es nicht nur eine anständige Auflösung, sondern auch ein paar Happy Ends, nicht zuletzt für die bodenständige, aber nicht auf den Kopf gefallene Hannelore, die in ihrem ersten Fall das kleine Glück trifft, Vorname Amelie.

Olga Schattenberg ermittelt eher nicht,

weil sie sich kaum noch rühren kann. Olga hat Multiple Sklerose und sitzt im Rollstuhl, verbeißt sich aber trotzdem in Nachforschungen. Oder vielmehr: lässt Kiki und Adrian schnüffeln – über den verdächtigen „Unglücks“-Tod ihres Ex-Mannes. Dieser war Journalist und an einer paradoxen „Zusammenarbeit“ dran, nämlich der von türkischen Grauen Wölfen und österreichischen Neo-Nazis. Und hat möglicherweise auch der türkische Geheimdienst seine Finger mit im Spiel? Jedenfalls zeigt er Interesse am Laptop des toten Rechercheurs. Gudrun Lerchbaum lebt in Wien und lässt dort auch diesen politisch hochaktuellen Kriminalroman spielen. Einen leichten Schmäh im Ton und einen kräftigen schwarzen Humor pflegt sie ebenfalls. Und hat sich zudem ein originelles Trio ausgedacht, mit einer ehemaligen linken Revoluzzerin (die es im Geiste immer noch ist), einer jungen Widerständigen, die schon im Knast war und dauernd Job und Wohnung verliert (Olga stellt sie auf der Stelle als Assistentin ein, klar) und einem spießigen Trauerredner, der dann doch nicht so spießig ist wie befürchtet. Jedenfalls nicht mehr, sobald Olga ihn als „Captain, oh Captain“ gebauchpinselt hat. Und ob er das ist! 

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