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Krimi-Tagung in Frankfurt Keine Selbstläufer mehr

Verlage stellen fest, dass das Krimifieber leicht sinkt. Wie das? Zur Tagung „Krimis Machen“ in der Deutschen Nationalbibliothek Frankfurt.

Was gehört hinein in den anständigen Krimi? Foto: Peter Jülich

Zum zweiten Mal gab es, diesmal in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt, die Tagung „Krimis Machen“ (Organisatoren sind Zoe Beck, Tobias Gohlis, Alf Mayer, Thomas Wörtche). Autoren, Verlagsleute, Kritiker, Aficionados können sich hier treffen (und tun es reichlich), es gibt Diskussionen, Vorträge, Workshops – an „Krimi. Schreiben. Lernen?“ wollten gefühlte zwei Drittel der Anwesenden teilnehmen.

Schrumpfende Auflagen

Eröffnet wurde am Freitagvormittag mit dem nicht neuen, aber die Gemüter zuverlässig anregenden Thema: Was ist ein guter Krimi? Und wo verläuft eigentlich die Spaltung zwischen U und E? Gut ein Viertel des Belletristik-Umsatzes, so war zu hören, wurde zuletzt mit Krimis gemacht. Allerdings ist der „Tsunami“ (Wörtche) an Titeln am Abschwellen, jedenfalls publizieren die Verlage nach eigener Auskunft weniger. Interessant die Auskunft von Markus Naegele, Lektor bei Heyne, dass das Genre „kein Selbstläufer mehr“ sei. Um ein Sinken des Krimifiebers wahrzunehmen, muss man als Leserin/Kritikerin wohl sehr genau messen; für die Verlage schlägt es sich in schrumpfenden Auflagen nieder.

Die Masse hat es gemacht, so Naegele, und die vielen „Me-Too-Produkte“: Wenn ein Titel zum Bestseller wurde, wollten alle ähnliche Titel machen. So kommt es bald zum Sattlesen. Aber auch der wachsende Selfpublishing-Bereich und das Buchhandlungssterben wurden als Gründe genannt, dass Auflagen sinken.

„48 graue, messerblitzende Krimis“

Ullstein-Lektorin Katrin Fieber wusste zu berichten, dass es im umkämpften Krimimarkt zunehmend um „Unterscheidbarkeit“ gehe. In der Fülle habe man für den einzelnen Titel ein „ernst zu nehmendes Abgrenzungsproblem“. Sehr lustig schilderte Heyne-Kollege Naegele die „nervenzerreißende“ Coverwahl und sein Gefühl, wenn er in eine Buchhandlung kommt und dort „48 graue, messerblitzende Krimis“ sieht.

Fieber wiederum wird ganz schummrig angesichts der Tatsache, dass es in Buchläden zunehmend weniger Regale und mehr Tische mit Stapeln gibt. Die Konzentration auf wenige gut verkäufliche Titel betrifft dann auch nachteilig kleine Verlage wie Liebeskind (etwa zwei Krimis pro Jahr), dessen Verleger Jürgen Kill bekannte, dass auch er nicht einfach Bücher machen könne, die er mag.

Ansonsten war viel von Burgern und Fünf-Gänge-Menüs die Rede und ob ein Gastrokritiker (also: Literaturkritiker) auch den Burger besprechen sollte. Dabei hatte Thomas Wörtche bereits den so eindeutigen wie richtigen Satz gesagt: „Ein guter Krimi ist ein gutes Buch“.

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