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Krimi Schwarze Polizisten im weißen Amerika

Thomas Mullens Kriminalroman „Darktown“ erzählt von den ersten schwarzen Polizisten im US-amerikanischen Atlanta.

Beverly Harvard
Beverly Harvard, die erste schwarze Polizeichefin der USA, 1994 in Atlanta. Foto: rtr

Es hat lange gedauert, bis der heute noch tief verankerte Rassismus des weißen Amerikas endlich einmal auch im Kriminalroman nicht mehr nur sporadisch und am Rande thematisiert wurde. In diesem Herbst kann nun auch der deutsche Leser manches nachholen, denn drei sehr unterschiedliche Romane mit schwarzen Hauptfiguren sind jetzt in Übersetzung erschienen, zwei davon sind auch großartig, sprachlich funkelnd geschrieben: Tom Franklins „Krumme Type, krumme Type“ über eine durch die gesellschaftlichen Bedingungen stark belastete Jungenfreundschaft zwischen einem Weißen und einem Schwarzen sowie „Dodgers“ von Bill Beverly über Mitglieder einer Drogengang in L.A. (siehe FR vom 6. November) Dazu der gleichsam historische, im Stil leider etwas bieder-traditionelle Polizeiroman „Darktown“ von Thomas Mullen.

Aber seine Geschichte trägt ihn weit, denn es ist die der ersten acht „Negro-Polizisten“ in der Stadt Atlanta. Sie wurden 1948 vereidigt, ausdrücklich als „Neger“ mit deutlich weniger Rechten und einem Bruchteil des Lohns. Thomas Mullen, Jahrgang 1974, macht plastisch, was das im Detail bedeutete, wie zum Beispiel weiße Kollegen gerufen werden mussten, wenn die schwarzen Polizisten es für nötig hielten, jemanden zu verhaften. Wie sie zusehen mussten, wenn die Kollegen Schwarze misshandelten – und so auch falsche Geständnisse erpressten oder auch Schutzgeld. Mullen zeichnet die weißen Beamten Atlantas nicht als durchweg, aber doch in erschreckender Zahl korrupt.

Die „Negro-Polizisten“ müssen indessen (jedenfalls im Roman) zu ihren Schreibtischen den Weg in den Keller des „Negro YMCA“ beziehungsweise bei Befragungen den Dienstboteneingang nehmen, hatten, natürlich, einen weißen Chef, für den, natürlich, im Büro eine eigene Toilette eingerichtet wurde.

Lucius Boggs und Tommy Smith heißen Mullens Hauptfiguren, der Sohn eines angesehenen Predigers der eine (sogar ein wenig Fluchen bereitet ihm Unbehagen), ein smarter Draufgänger der andere. Boggs muss sich, da ähnelt „Darktown“ vielen anderen Polizeiromanen, bald zu halbkrummen Touren überwinden. Auch, um seinem wagemutigeren Kollegen beizuspringen. Zuletzt kommt es umgekehrt zum Schwur, Boggs braucht Smiths Hilfe. Auch das ist bewährtes Krimischema.

Außerdem erwartbar: der weiße Polizist, dem Boggs zu vertrauen lernen muss. Außerdem die schöne, schwarze, missbrauchte junge Frau, deren Tod von den neu vereidigten Negro-Polizisten schon deswegen aufgeklärt werden muss, weil es ja sonst keiner tut. „Darktown“ hat viele Wendungen, nimmt viele Ecken, einerseits. Es sind freilich zahlreiche darunter, die – für eine regelmäßige Krimileserin – vorhersehbar sind. Trotz seines unbedingt interessierenden Themas verlässt Mullen sich überwiegend auf Action, seine Charaktere legt er dabei recht schematisch an.

Trotzdem vermittelt er mit einiger Anschaulichkeit das Bild einer Zeit, in der Weiße Schwarze ganz selbstverständlich für minderwertig hielten und Schwarze von den privilegierten Weißen in aller Regel sowieso nichts Gutes und in erster Linie Prügel erwarteten. In der sich manche Benachteiligte und Diskriminierte durch Kollaboration zu helfen versuchten und die Schritte hin zu Gleichberechtigung winzig waren. Acht schwarze Polizisten waren 1948 in Atlanta ein solcher winziger Schritt, „Darktown“ erinnert immerhin an sie.

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