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Krimi In einem reichen Haus

In einem zerrissenen, unter Gewalt ächzenden Uganda spielt Christoph Nix’ Kriminalroman „Muzungu“.

Uganda
In Kampala gibt Ugandas langjähriger Präsident 2011 Wahlversprechen ab. Foto: afp

C hristoph Nix, Jurist und Theatermann, derzeit Intendant in Konstanz, hat von 1999 an mehrfach in Afrika, auch in Uganda gearbeitet, Workshops gegeben, dort vermutlich aus nächster Nähe Verhältnisse und Probleme kennengelernt, wie er sie nun in seinem Roman „Muzungu“ schildert. Den verzweifelten, hoffnungslosen Kampf von Hilfsorganisationen zum Beispiel, wenn Kinder entführt und zu Soldaten gemacht werden, wenn Dörfer überfallen, die Bewohner niedergemetzelt werden, wenn Verletzte sich Stunde um Stunde zu einer Klinik schleppen müssen. Eigentlich muss man sagen: den Kampf einiger Idealisten, denn auch in diesem Kriminalroman findet sich in den Reihen der Helfer manches schwarze, korrupte Schaf.

Aber die Ärztin Liv Utstedt engagiert sich bis zur Selbstaufgabe. Dass ausgerechnet sie ermordet wird – und das nicht bei einem Einsatz im Busch –, macht auch die ugandische Polizei perplex. Oder vielmehr die beiden Soldaten Oanda und Momba, die angesichts eines toten Muzungu (weißen Menschen) geschwind zur ersten „Mordkommission“ Ugandas ernannt werden.

Das erste Kapitel, es spielt im Herbst 2012, beginnt mit „Oanda Malungo öffnete seine Augen“: Gleich wird deutlich, dass das morgendliche Erwachen eines jungen ugandischen Soldaten nicht unbefangen sein kann (gibt es etwa einen Putsch? Proteste?), sofort wird auch deutlich, dass Malungo Mühe hat, seine Familie durchzubringen – und dass dort Normalität ist, was man hierzulande prekäre Verhältnisse nennen würde. Nix versteht es, das Befremden der beiden Ermittlerneulinge zu schildern, als sie zum Tatort kommen: „In einem reichen Haus lag eine tote Frau, und ein heulender Mann kauerte in der Ecke, sonst war nichts.“ Und schon kommt ein Schwede und sagt: „Danke, Sie können jetzt gehen.“ „Wir bleiben“, sagt Oanda. Es erfordert Mut.

Einen schillernden Figurenreigen macht Christoph Nix auf. Vieles deutet er nur an, lässt Lücken und Geheimnisse zu. Keineswegs macht er nur die NGOs zum Thema. Er erzählt von Joseph Kony und seiner schrecklichen, mit Kindersoldaten vollgestopften Lord’s Resistance Army. Er erzählt von den Männern, die damit beginnen, dass sie die Verhältnisse ändern wollen – aber irgendwann sind sie an der Macht und geht es ihnen nur noch darum, diese zu behalten. Nix’ Präsident heißt Aseveni, unschwer ist darin auch Ugandas Staatschef Yoweri Museveni zu erkennen, der einst am Sturz Idi Amins beteiligt war.

Dann aber kommt in „Muzungu“ doch etwas unnötig und überinstrumentarisiert die Weltgeschichte ins Spiel, springt die Geschichte weit in die Vergangenheit, hat Aseveni schon vor Jahren im schwedischen Exil Liv Utstedt kennengelernt, ist wiederum deren Familie mit der von Olof Palme befreundet, haben also manche aktuellen Geschehnisse überraschend mit der Ermordung Palmes zu tun. Eine Lösung des Falles Utstedt zeichnet sich ab, die wie der Versuch wirkt, jetzt aber mal schnell einen plausiblen Täter zu finden – nur dass das Ende durchaus nicht plausibel ist. Ein zunächst starkes Buch kann zuletzt nicht mehr so recht überzeugen.

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