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Krimi Große Politik im kleinen Saint-Denis

Seit zehn Jahren sind Martin Walkers Bruno-Krimis ein großer Erfolg, der Autor hat in Frankreich eine Wahlheimat gefunden.

Martin Walker
Martin Walker. Foto: Klaus Einwanger/Diogenes Verlag

Kürzlich war Martin Walker wieder in Paris. 40. Hochzeitstag. „Wir haben mit allem Pipapo gefeiert. Meine Frau wollte unbedingt in ein Restaurant mit einem Michelin-Stern. Also haben wir das gemacht. Wer hat schon das Glück, 40 Jahre mit ein und derselben Frau verheiratet zu sein?“ Ein anderer Ort als Paris sei ohnehin nicht infrage gekommen, um diesen Tag gebührend zu feiern. „Ich liebe diese Stadt.“

Als 13-jähriger Schüler war der gebürtige Schotte zum ersten Mal zu Besuch in der französischen Metropole. „Paris, die große weite Welt. Dort war alles so viel spannender und lebendiger als in Schottland.“ Seitdem sei er angefixt von Frankreich, sagt Walker. Von dem guten französischen Essen. Von den Weinen. Von der reichen Geschichte des Landes und der Lebensart der Franzosen.

Kein Wunder also, dass der Journalist und Historiker sein Sehnsuchtsland vor zehn Jahren zum Schauplatz seines ersten Kriminalromans machte. „Bruno, Chef de police“ spielt im beschaulichen Städtchen Saint-Denis und wurde zur Überraschung des Autors ein Bestseller. Inzwischen ist in Deutschland der zehnte Band der Reihe erschienen: „Revanche“.

In den 90er Jahren haben Walker und seine Frau im Périgord im Südwesten Frankreichs ein Ferienhaus gekauft, in einem Dorf, das dem fiktiven Saint-Denis seiner Romane verdächtig ähnlich sieht. Es habe den gleichen Grundriss wie seine französische Wahlheimat, verrät Walker. Und: Es gebe auch dort einen Dorfpolizisten wie Bruno Courrèges, den liebenswerten Hobbykoch und Frauenversteher seiner Romane. Pierrot heiße der und sei ihm seit Jahren ein treuer Freund und Tennispartner.

„In Bruno stecken 40 bis 50 Prozent von Pierrot, auch wenn der dicker und älter ist als meine Romanfigur und im Gegensatz zu Bruno Frau und Kinder hat.“ Eigentlich, sagt Walker, habe er vor zehn Jahren ein Sachbuch über das Périgord schreiben wollen. Eines über die Geschichte und die prähistorischen Höhlenmalereien der Region, die ihn seit je faszinieren. Pierrot habe ihn überredet, sich stattdessen an einem Kriminalroman zu versuchen. Eine große Herausforderung für einen, der ein Vierteljahrhundert als politischer Journalist für die britische Tageszeitung „The Guardian“ von Kontinent zu Kontinent reiste und über die Großen der Welt berichtete. Walker, Mitglied eines Think Tanks, einer international operierenden Beraterfirma für Topmanager, hat Bücher über den ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton geschrieben, über den Kalten Krieg und über seine Zeit als Korrespondent in Moskau. „Ziemlich langweiliges Zeug“, wie der 72-Jährige heute sagt. „Krimis zu schreiben ist eine ganz andere Herausforderung.“

Dennoch spielt die große Politik auch im kleinen Saint-Denis eine Rolle. Die fiktive Welt des politischen Denkers Martin Walker ist bevölkert von Terroristen und Rassisten, von ehemaligen Résistance-Kämpfern und durchgeknallten Islamisten. In der realen Welt bringt den Autor allein die Erwähnung des gegenwärtigen US-Präsidenten Donald Trump auf die Palme („Ich bin sehr verärgert über ihn“), vom drohenden Brexit („schlecht für Großbritannien, schlecht für Europa“) ganz zu schweigen.

In „Revanche“, seinem jüngsten Roman, zieht ein Terrorkommando des IS marodierend durch das Périgord und greift zu guter Letzt das „Musée National de Préhistoire“ in Les Eyzies-de-Tayac an. Ein Horrorszenario, das nach Ansicht Walkers durchaus im Bereich des Möglichen liegt. „Man weiß, dass diese Leute historische Denkmäler hassen“, sagt er und erinnert an die bewusste Zerstörung antiker Stätten in Syrien und im Irak durch den IS.

Man könne dem islamischen Terror nicht entkommen, so Walkers Befürchtung. Nicht in London, nicht in Paris. Und nicht in Saint-Denis. Als er begonnen habe, „Revanche“ zu schreiben, habe es gerade die Terroranschläge in Nizza, Brüssel, London und Berlin gegeben. „Das ist die Realität unseres heutigen Lebens. Die Bedrohung ist allgegenwärtig.“ Er verstehe sich nicht als politischer Autor, aber es sei generell schwierig, über den Schauplatz Europa zu schreiben, ohne die Themen Migration und Terrorismus zu berühren. „Eben weil sie ein Teil unseres Lebens geworden sind.“

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