Lade Inhalte...

Klaus Garber wird 80 Auf Welt-Zeit-Reise

Dem unermüdlichen Osnabrücker Literaturwissenschaftler und bibliomanischen Großfahner Klaus Garber zum 80. Geburtstag.

Begonnen hat alles gegen Ende der fünfziger Jahre mit dem Studium in der Elegantia-Schule Richard Alewyns an der Bonner Universität. Alewyn, einst Lehrstuhlnachfolger von Friedrich Gundolf in Heidelberg und später durch die Nazis vertrieben, öffnet dem jungen Garber die Augen für die tief in Antike und europäischen Humanismus zurückreichende deutsche Dichtungstradition. Es kann jetzt nicht mehr um die Fortschreibung stiltypologischer Beschwörungen des „Deutsch-Barocken“ gehen, sondern um fachkritisches und sozialhistorisch renoviertes Konzept frühneuzeitlicher Literaturforschung.

Schon Garbers Dissertation über den „locus amoenus und locus terribilis“ in der Poesie des 17. Jahrhunderts ordnet den Corpus der vermeintlich weltflüchtigen Schäfer- und Landlebendichtung, der Arkadien-Utopie, in die Frühgeschichte der bürgerlichen Gesellschaft ein. Als wahrer Adel erscheinen nun bürgerliches Verdienst und Nobilität der Seele, das gelehrte und künstlerische Werk gewinnt einen moralischen Vorrang gegenüber dem ererbten Privileg.

In den überkommenen Gattungen und filigranen Motiven des Arkadischen, später in der Empfindsamkeit deutet sich an, was Reinhard Koselleck den „präsumptiven Souverän“ genannt hat – der selbstbewusste Bürger und Citoyen, der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit auf seine Fahnen schreiben wird.

Es ist der Geist der Antike und ihres universalen Friedens-Versprechens, der in Renaissance und Humanismus, in Barockzeitalter und Aufklärung nachwirkt und auch in Deutschland die Ausprägung eines nationalkulturellen Selbstverständnisses ermöglicht – davon ist Garbers weitsichtiges Wissenschaftswerk durchdrungen. Im Geiste Walter Benjamins möchte der unermüdliche Polyhistor und Welt-Zeit-Reisende in Sachen Humanismus jenes Ur-Erbe der westlichen Geistestradition retten und wieder zum Leuchten bringen, denn die Jahrhunderte währende Selbstaufklärung der Nationen in diesem Europa der Vaterländer erscheint ihm als ein übersäkulares Versprechen – das der humanitas, von Frieden und Verständigung.

In diesem Arbeitshorizont haben Garber und das von ihm gegründete Osnabrücker Institut für Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit außerordentliche Leistungen vorzuweisen. Erwähnt sei das mehr als dreißigbändige „Handbuch des personalen Gelegenheitsschrifttums in europäischen Bibliotheken und Archiven“. Garber selbst, der bibliomanische Großfahnder, hat auf zahlreichen Reisen durch den einst deutschen Kulturraum des Ostens alle wichtigen Buch-Schatzhäuser auf deutsche Bestände untersucht. Davon zeu-gen auch seine fulminanten Studien über die einflussreichen Geisteskulturen von Breslau, Königsberg und Danzig, von Krakau, Riga und Vilnius, von Warschau, St. Petersburg und Moskau. Auch hier haben einst große Sammler und gelehrte Sozietäten, sprach- und literaturstolze Bürger, Bibliothekare und Magistrate Verdienstvolles geleistet für die deutsche Nationswerdung.

Diese im 20. Jahrhundert heillos versprengten Zeugnisse aufzufinden und im Licht der Moderne gegenwärtig zu halten, ist Klaus Garbers staunenswerte Passion. Heute feiert er seinen achtzigsten Geburtstag. Salut und gute Wünsche für die noch geplanten Werke.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum