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Kirsten Boie „Bestimmt wird alles gut“ Eine Geschichte vom Warten

„Bestimmt wird alles gut“: Die Schriftstellerin Kirsten Boie erzählt für Kinder von einer Flucht aus Syrien, Jan Birck hat den Band eindrücklich illustriert. Der Text ist auf Deutsch und Arabisch abgedruckt.

22.01.2016 16:51
Cornelia Geissler
Kirsten Boie: "Bestimmt wird alles gut", hier ein Detail aus dem Titelbild des Illustrators Jan Birck.

Rahaf hat schon viel erlebt. Sie ist zehn Jahre alt und musste Menschen sterben sehen, ihre beste Freundin für immer verlassen, ihre Oma auch. Rahaf kommt aus Syrien. Die deutsche Schriftstellerin Kirsten Boie hat sich ihre Geschichte angehört und so erzählt, dass sie für sich stehen kann, aber auch für diese Zeit.

Denn jedes Kind merkt ja, dass sich Deutschland verändert hat, dass Menschen hier Schutz suchen, Hilfe brauchen. Das Wort „Flüchtlinge“ steht jeden Tag in der Zeitung, man sieht die Menschen im Fernsehen. Obwohl aber in vielen Schulen Willkommensklassen eingerichtet wurden, erleben die wenigsten Kinder die Neuankömmlinge im direkten Kontakt.

Den ermöglicht jetzt die Literatur. Boies Buch ist nicht das einzige zum Thema, aber ein sehr besonderes, weil es auf Deutsch und Arabisch verfasst ist, weil es mit eindrücklichen Illustrationen von Jan Birck ausgestattet ist. Und weil es von einer Autorin geschrieben wurde, die sich in die kindliche Gedanken- und Gefühlswelt hineinfinden kann.

Immerzu Bomben

Kirsten Boie schreibt chronologisch von Rahafs Leben, von ihrer Puppe, ihrer Freundin, den kleinen Geschwistern. Anfangs gibt es noch kleine lustige Anekdoten. Bald aber fasst sie die Ausweglosigkeit in Rahafs Heimat in einem einfachen, nachdrücklichen Satz: „Immerzu sind die Flugzeuge mit den Bomben gekommen, immerzu!“

Die Familie wird von den Schleusern mit etlichen anderen Menschen auf ein viel zu kleines Boot verfrachtet, sämtliches Gepäck verschwindet, es ist extrem eng, kalt, es gibt nichts zu essen, nur etwas Wasser. Der beschwörende Satz, der dem Buch den Titel gab, „Bestimmt wird alles gut“, hängt als Hoffnung über allem und begleitet die Familie von Italien nach Deutschland. Oft noch wird die Hoffnung enttäuscht. Das Erstaufnahmelager wirkt abweisend, auch die Schule erscheint Rahaf fremd. Und der Vater ist so traurig, weil er nicht arbeiten darf. Zwei Jahre schon.

Denn auch das gehört zur Wahrhaftigkeit in Boies Erzählung: Flucht und Exil bestehen vor allem aus Warten. Irgendwann könnte alles gut werden. Vielleicht. (Ab sechs Jahren)

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