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Kinderbücher Unwahrscheinlich, aber denkbar

Neue Kinderbücher von Katherine Applegate, Sabine Ludwig und Franziska Gehm kommen vom Fantastischen aus doch auf ganz reelle Fragen.

07.11.2016 01:23
Cornelia Geißler
Mensch und Katze verstehen sich, können sich aber auch einmal die Zunge rausstrecken. Foto: REUTERS

Es gibt keine Sicherheit

Jackson hat einen unsichtbaren Freund, obwohl er erstens zu alt dafür ist und zweitens Fakten mag. Das Buch von Katherine Applegate beweist von der ersten Seite an, dass Jackson ohne den Beistand der großen schwarzen Katze namens Crenshaw ziemlich verloren wäre. Denn sein Alltag ist chaotisch. Er erzählt selbst davon, mal munter plaudernd, mal traurig. Durch unglückliche Umstände ist die Familie in schwere Geldprobleme gerutscht, hangeln sich die Eltern von Job zu Job, können aber erst viele Dinge wie den Fernseher, bald die ganze Wohnung nicht halten. Der Junge leidet am meisten darunter, dass seine Eltern stets nur kurzfristige Lösungen wissen und ihn nicht in ihre Überlegungen einbeziehen. Der Kater tröstet Jackson nicht nur, er bestärkt ihn in seiner Forderung, ernst genommen zu werden. So kommt das schwierige Thema Obdachlosigkeit durch ein Fantasy-Türchen in ein gutes Kinderbuch. Ab 8 Jahren.

Gibt es etwa doch Zauberei?

Schlimmer kann es nicht mehr kommen. Was auch passiert in der Schule, alle schreiben es Felix zu. Da verkleben die Haare seiner Mitschülerin Ella mit Klebstoff, da erscheint eine böse Karikatur an der Tafel, da verunglückt seine Lehrerin – immer sieht es so aus, als sei Felix Vorndran der Auslöser. Einigen wird der Name bekannt vorkommen, denn er agierte auch in Sabine Ludwigs Buch „Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft“. Diesmal ist ein Lehrer an der Reihe, nicht zu schrumpfen, sondern zu fliegen. Man muss das Vorgängerbuch nicht kennen. Felix ist in der Tat an vielem beteiligt, aber nicht wirklich schuld. Es sieht aus wie Zauberei, aber geht denn das auf einem deutschen Gymnasium? Sabine Ludwig mischt gruselige Schulerlebnisse mit fantastischen Elementen. Das Buch lebt vor allem von ihrem Humor, der aus Momenten entsteht. Das ist oft knallulkig! Ab 10 Jahren.

Und was gab’s früher so?

Na, das ist eine Überraschung für die Gleichaltrigen: Jobst kennt Honecker und Bud Spencer nicht. Der Junge ist nämlich nicht nur neu in dieser sächsischen Stadt, sondern auch in der Zeit. Jobst und seine Mutter haben mit ihrem Zeitreisekoffer auf dem Rückweg aus dem Mittelalter nur kurz Station machen wollen im Jahr 1987 – und dann war ihr Koffer weg. Mit „Pullerpause im Tal der Ahnungslosen“ setzt der Leipziger Klett Kinderbuchverlag fort, wofür er immer ein Plätzchen im Programm hat: Heutigen Kindern aus der Kindheit ihrer Eltern und Großeltern zu erzählen. Die Leser sind damit selbst Zeitreisende. Sie stoßen auf Pioniere und Parolen. Die Autorin spielt mit Fakten und Klischees. Der schräge Blick von heute und die Verwicklungen um die Suche nach dem Koffer machen das Buch zu einem amüsanten Abenteuer. Ab 9 Jahren.

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