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Kinderbücher Ein Wolf, der Möhren frisst

Drei wunderbare Bilderbücher, die verkehrte Welten wagen – tierische und ganz menschliche.

31.03.2016 15:09
Cornelia Geissler
Rigo und Rosa spielen. Foto: Atlantis-Verlag.

Heimweh im Herzen Maus und Leopard sind vierbeinige Säugetiere mit dichtem Fell. Das sind die offensichtlichen Gemeinsamkeiten, aber gibt es noch mehr? Viel mehr. In dem Buch „Rigo und Rosa“ erzählt Lorenz Pauli davon, wie ein Zoo-Leopard und eine Maus, die ihn im Käfig besucht, Freundschaft schließen. Sie führen erkenntnissüchtige Gespräche über das Leben als solches, über das Warten, über Heimweh im Herzen und das Älterwerden, über die Menschen und ihre Unterart, die Kinder. Es sind kleine Geschichten, die dem Leser oft eine Frage oder eine Idee zum Weiterderdenken hinterlassen. Kathrin Schärer setzt die beiden Freunde geradezu magisch ins Bild. Beim Leopardenfell geht sie naturalistisch ins Detail, ihre Maus tobt lebendig und oft skizzenhaft beweglich durchs Buch. Sie erlebt dabei noch mehr, als die Geschichte erzählt. Es ist ein Buch nicht nur für Kleine. Allein die Namen Rigo und Rosa verwirren. Zusammen ergeben sie mit „rigoros“ ein Wort, das nicht zu den so frei assoziierend plaudernden Tieren passen will (ab 5 Jahren) .

Wolf im Hasenpelz Als die Hasenfamilie nach Hause kam, fand sie ein Bündel vor ihrer Haustür. – So beginnt ein fantastisch-märchenhaftes und doch eng an die Wirklichkeit von Kindern geknüpftes Bilderbuch von Ame Dyckman und Zachariah OHora. Es ist ein ausgesetztes Baby, dessen sich Mama und Papa begeistert annehmen. Nur das Hasenkind Nora ist entsetzt, es will dieses neue Geschwisterchen nicht. Doch Nora fürchtet nicht nur um ihre komfortable Rolle als Einzelkind. Sie hat Angst vor dem fremden Wesen. Denn es ist ein Wolfsbaby! Bald schläft Wolfi nicht mehr nur, sondern wächst und frisst Unmengen von Möhren, beteiligt sich am Familienleben. Es braucht ein besonderes Erlebnis, dass Noras Stimmung kippt und das Hasenmädchen sich als starke Wolfsschwester fühlt. Zauberhaft einfach, in genauen Sätzen ist diese Geschichte erzählt. Wunderbar klar ist sie gemalt, mit flächigen, deutlich konturierten Bildern (ab 4 Jahren) .

Überfällige Ratschläge Endlich mal ein Erziehungsratgeber für Kinder! Katharina Grossmann-Hensel wendet sich mit ihrem Buch „Eltern richtig erziehen“ an den geplagten Nachwuchs. Sie zeigt in Bildern, die das Wesentliche klar umrissen darbieten und von herrlichen Details umkränzt sind, eine im landläufigen Sinne verkehrte Welt: Die Eltern richten sich nach dem, was das Kind befiehlt. Eindeutige Sätze wie „Ich brachte ihnen bei, ins Bett zu gehen“ erscheinen gedruckt. Sie werden flankiert von gekritzelten Zusätzen à la „Ruhe im Flur! Vorlesen! Gute-Nacht-Lied! Jetzt!“. Oft gehörte Elternsprüche werden so verdreht. Ein Kind darf alles. Puppenlustig fügen sich Episoden aneinander, affenkomisch entwickelt sich die Geschichte. Und dahinter lauert – für nachgiebige und überbehütende Eltern genauso erkennbar wie für trotzige Kinder – ein wahrer Kern (ab 4 Jahren).

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