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Juli Zeh: „Neujahr“ Radler am Rande des Abgrunds

Mit ihrem Roman „Neujahr“ arbeitet sich Juli Zeh weiter fleißig durch die Themen der Zeit.

Juli Zeh
Juli Zeh, vermutlich auf Lanzarote. Foto: Peter von Felbert

Hennings Erkenntnis, die Erinnerung an sein Trauma, setzt etwa zur Hälfte des Buches ein. Dieser Teil der Geschichte wird nicht mehr subjektiv aus seiner heutigen, sondern omnipräsent aus damaliger Sicht beschrieben, so dass unklar bleibt, wo sich Heute und Früher berühren. Gleichwohl nimmt Zeh die Kinderperspektive mit einer poetischen Zartheit ein, die ihrem Werk durchaus einen neuen Ton gibt, aber auch etwas selbstverliebt ist und sich in Wiederholungen feiert. 

Die Erklärung des rätselhaften Elends schließlich, in das die Welt Kinder so leicht und folgenreich stürzen kann, ist – man lese es selbst – einigermaßen banal. Henning ist am Ende nicht geheilt, aber er weiß jetzt, woran er leidet, und das ist schon mal etwas. Um sein Leben zu retten, unternimmt er einen Schritt, den Juli Zeh vielleicht für ein offenes Ende halten mag, der tatsächlich aber wieder einmal alles auserzählt. Möglicherweise haben Juli Zehs Romane ja dieses einzige Problem: dass sie ihren eigenen Mitteln nicht trauen.

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