Lade Inhalte...

Jugendbuch Das Jugendbuch steht in der Ecke

Der Autor und Lehrer Dirk Pope über Genregrenzen sowie passende und unpassende (Kinder-)Themen.

Dirk Pope
„Mein Buch ist schon sehr skurril“, sagt Dirk Pope. Foto: Christoph Boeckheler
Herr Pope, in Ihrer Brust schlagen mehrere Herzen: Sie sind nicht nur Autor, sondern auch Lehrer an einer Gesamtschule. Sind Sie nun Lehrer und nebenbei Autor oder doch eher Autor?
Noch bin ich hauptberuflich Lehrer, wobei ich mir schon wünsche, dass das irgendwann ins gleiche Verhältnis rückt. Natürlich kann ich nicht vom Buchverkauf leben, das schaffen nur die wenigsten. Insofern bin sehr dankbar dafür, dass ich Lehrer bin und ich möchte es auch bleiben, aber ich hätte trotzdem gern mehr Zeit zum Schreiben.

Der Lehrerberuf ist ja auch nicht unbedingt mit wenig Zeitaufwand verbunden.
Tatsächlich ist momentan, kurz vor den Zeugnissen, so viel los, dass man eigentlich keine Zeit hat, noch irgendetwas anderes zu machen. Sich da ein paar Stunden zum Schreiben freizuschaufeln ist schwierig. Der Spruch „Vormittags haben die Lehrer Recht und nachmittags frei“ trifft leider nicht ganz so zu.

Sie haben mit 40 Jahren beruflich umgeschwenkt und Ihr Referendariat begonnen. Vorher waren Sie zehn Jahre in der Werbebranche tätig. Wieso der Umschwung?
Ich wollte einen Beruf, in dem man auch alt werden kann. Ich habe das zehn Jahre lang gemacht und größtenteils auch genossen, weil man sich wirklich kreativ austoben konnte. Aber letztendlich wollte ich etwas Sinnstiftenderes machen als kurzlebige Werbung zu konzipieren und zu texten.

Kommt daher aber vielleicht die Lust am Schreiben?
Diesen Traum, irgendwann mal ein Buch zu schreiben, hatte ich tatsächlich schon in Kindheitstagen. Der Wunsch war auch nie weg. Es ist nur ein unglaublich langer Weg, dieses Buch dann auch fertig zu schreiben und zu veröffentlichen. Man fängt Dutzende Romane an, um irgendwann nach Jahren einen zu Ende zu schreiben und zu realisieren. Das ist ein tolles Gefühl.

Woher kommt die Inspiration für Ihre Bücher? Lassen Sie sich da auch von der Schule beeinflussen?
Es ist nicht so, dass ich das eins zu eins in den Büchern abbilde, aber man lässt sich schon inspirieren. Auch durch das, was um einen herum passiert, die Dialoge, die Sprache, die einen umgibt. Das beschäftigt einen schon und man bleibt da einfach drin.

In Ihrem neuen Buch „Abgefahren“ geht es um einen 17-Jährigen, der seine tote Mutter in den Kofferraum ihres Autos packt und sie mit allerlei Hindernissen zum Begräbnis in ihre rumänische Heimatstadt fährt. Woher stammt diese Idee?
Die Idee mit der Leiche im Kofferraum hatte ich einfach. Dann habe ich parallel sogar eine ähnliche Meldung in der Zeitung gelesen, dass jemand die Leiche eines Angehörigen aus Portugal nach Deutschland überführt hat. Das hat die Idee bestätigt, weil sie von jemand anderem quasi in die Praxis umgesetzt wurde.

Die Geschichte hangelt sich an der Donau entlang, der Viorel auf seiner Fahrt immer wieder begegnet. Wieso ausgerechnet diese Strecke?
Das Ganze hat etwas Parabelhaftes: Viorel ist am Anfang ein sehr adipöser, dicker, eigentlich ekliger Typ. Die Donau beginnt als „kleines Flüsschen“, wird aber im Laufe der Zeit immer dicker, breiter und „fetter“. Viorel dagegen findet zu sich und entwickelt sich zu einem sehr selbstbewussten und sympathischen Menschen. Er wird gedanklich immer schlanker. Diese Gegenläufigkeit fand ich sehr spannend.

 

Hatten Sie vorher schon einen Bezug zur Donau?
Den hab ich erst entwickelt. Ich bin die Strecke zweimal abgefahren. Auch weil es mir wichtig war, dieses Rumänien-Bild, das wir nach wie vor im Kopf haben, zu überprüfen und geradezurücken. Wir kommen aus dem Westen und denken bei Rumänien: grauer Osten, ärmlich, Zigeuner, Vampire und alles total heruntergekommen, mittelalterlich, rückständig. Ostblock-Klischees, die eigentlich schon 30 Jahre überholt sind. Mittlerweile hat sich dort viel gewandelt und verwestlicht. Das hat natürlich auch wieder seine schlechten Seiten, aber es ist trotzdem aufregend und wunderschön dort zu reisen, nette Menschen und ihre ganzen Bräuche kennenzulernen: das Essen, die Landschaften, das Donaudelta, die Schwarzmeerküste.

 

Auf der Reise wird Viorel immer wieder mit besonderen Merkwürdigkeiten konfrontiert. Was hat es damit auf sich?
Ja, die Geschichte ist schon sehr skurril und surreal. Auch wie er abdriftet und mit seinem Alter-Ego spricht, zum Beispiel. Wenn man durch Rumänien fährt, begegnet man auch automatisch dieser ganzen Vampir-Thematik, die wie ein Grundrauschen im Roman mitschwingt. Auch wenn sie eher eine periphere Rolle spielt. Aber in der Gegend um Bistritz wird Viorel diesem Mythos ganz vehement konfrontiert. Und das Ganze spielt auch ein bisschen damit: Was ist echt? Was ist einfach nur erzählt? Durch diese gedanklichen Einspielungen wird dann auch beim Lesen viel Surreales entwickelt, denn es muss ja nicht immer alles real sein. Die ganze Geschichte ist ja nicht real.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen