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„Heinz Felfe entdeckt Amerika“ Als die CIA um deutsche Geheimdienstler warb

Erste Klasse in die USA: Bodo Hechelhammer, Chefhistoriker des BND, erzählt in seiner Geschichte des Doppelagenten Felfe auch von vergangenen Spionage-Zeiten.

Teufelsberg
Abhöranlage auf dem Teufelsberg: Bei der Spionage im Kalten Krieg ging es aber auch um Zwischenmenschliches. Foto: rtr

Ein Schnappschuss, entstanden am 16. September 1956 in den USA, ziert das Buchcover. Ein kleiner Mann mit rundem Kopf ist zu sehen, überrascht schaut er in die Kamera, die ihn offenbar unverhofft knipst. In seiner Hand hält er eine Schmalfilmkamera. Es sieht aus, als fühle sich der Mann ertappt bei einer Handlung, die er lieber geheim halten möchte.

Ertappt aber wird der Mann, der auf dem Umschlag des Buches „Heinz Felfe entdeckt Amerika“ abgebildet ist, tatsächlich erst fünf Jahre später: Im November 1961 verhaftet die Polizei Heinz Felfe, Chef der Abteilung „Gegenspionage Sowjetunion“ im Bundesnachrichtendienst, als bis dahin höchstrangigen Maulwurf des sowjetischen Geheimdienstes in Pullach. Die Amerikaner waren dem KGB-Spion dank eines sowjetischen Überläufers auf die Spur gekommen. Fünf Jahre zuvor, als das Foto von Felfe am Rande einer von der CIA organisierten Studienreise für BND-Kader entstand, waren auch sie noch ahnungslos, wen sie sich da ins Land geholt hatten.

Die bis jetzt unbekannte Geschichte von Heinz Felfes USA-Reise im Jahr 1956 erzählt der Historiker Bodo Hechelhammer in seinem neuen Buch mit (manchmal etwas zu viel) Liebe zum Detail. Hechelhammer, der über den Kreuzzug des römisch-deutschen Kaisers Friedrich II. nach Jerusalem 1228/29 promovierte, arbeitet selbst seit langem im Bundesnachrichtendienst und bekleidet dort inzwischen den Posten des Chefhistorikers. Der 49-Jährige sitzt also an der Quelle, was für sein Buch Vor-, jedoch auch Nachteile hat: Einerseits bringt der Autor seinen Lesern Details und Aussagen nahe, die bislang der Öffentlichkeit verschlossen waren (und es wohl auch weiterhin sein werden); andrerseits ist dem Text die Vorsicht eines Geheimdienstbeamten anzumerken, der nicht zu viel verraten darf und darauf bedacht sein muss, seinen Arbeitgeber nicht durch unbotmäßige Formulierungen gegen sich aufzubringen.

Dennoch füllt das Buch über Felfes Amerika-Reise eine Lücke in der bisherigen Literatur über den BND. Denn dass die CIA seit 1951 Mitarbeiter der Organisation Gehlen und ihres Nachfolgers BND regelmäßig zu Studienreisen in die USA einlud, war bislang kaum bekannt. Die exklusive Tour mit 1.-Klasse-Flugtickets und Rückfahrt per Ozeandampfer vom September 1956, an der neben Felfe noch weitere sieben, von der CIA handverlesene BND-Mitarbeiter teilnahmen, war die siebte ihrer Art.

Den deutschen Gästen bot man dabei zunächst Fachgespräche mit ihren amerikanischen Arbeitskollegen in Langley an, um eine persönliche Bindung zu schaffen; anschließend sollte eine aufwändig organisierte touristische Erkundungstour quer durch die Vereinigten Staaten den Deutschen die Vorzüge des American Way of Life schmackhaft machen.

Was damit beabsichtigt war, liegt auf der Hand: Weil den Amerikanern der Gehlen-Dienst wegen dessen Altnazi-Personals stets suspekt war, wollte sich die CIA einen Stamm von Vertrauensleuten in Schlüsselpositionen beim BND schaffen, um über Vorgänge und Operationen in Pullach stets auf dem Laufenden zu sein und gegebenenfalls eingreifen zu können.

Ein Rätsel aber bleibt in Hechelhammers lesenswertem, reich bebilderten Buch ungelöst: Der sowjetische Überläufer, der die CIA auf die Spur Felfes brachte, hatte ausgesagt, dass in der achtköpfigen BND-Delegation vom September 1956 zwei KGB-Maulwürfe mitgereist seien. Der eine war Felfe – wer der andere gewesen sein könnte, haben CIA und BND noch bis Anfang der siebziger Jahre versucht herauszufinden. Ohne Erfolg.

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