Lade Inhalte...

Heidegger „Schwarze Hefte“ Mit Heidegger gegen Heidegger

In einem scharfen Angriff auf den Herausgeber der „Schwarzen Hefte“, Peter Trawny, geht es erneut an die Substanz. Und offenbar um den Versuch, Heideggers Antisemitismus herunterzuspielen.

Martin Heidegger (1889–1979), hier in der freien, sommerlichen Natur. Foto: Costa Leemage/picture alliance

Er war der Privatassistent von Martin Heidegger – nun greift er den Herausgeber der „Schwarzen Hefte“ an. Friedrich-Wilhelm von Herrmann ist nicht nur ein anerkannter Fachmann auf den philosophischen Feldern der Hermeneutik und Phänomenologie. Der emeritierte Professor betreut zudem die nachgelassene Gesamtausgabe Heideggers im Verlag Vittorio Klostermann.

In diesem Verlag wurden auch die „Schwarzen Hefte“ Heideggers von dem Wuppertaler Philosophie-Professor Peter Trawny herausgegeben. In diesen Heften finden sich die antisemitischen Notizen des einstigen deutschen Meisterdenkers. Seit ihrer Publikation ist nicht allein Heideggers persönlicher, sondern auch sein wissenschaftlicher Ruf erschüttert.

In dem rechten italienischen Magazin „Libero“ setzt nun der ehemalige Freiburger Professor von Herrmann zum Angriff gegen Trawny an. Von Herrmann behauptet dort, dass er dafür sorgen werde, dass Trawny die Herausgeberschaft über die „Schwarzen Hefte“ entzogen werde. Trawny gehe es bei der Publikation der „Schwarzen Hefte“ nur um das Geldverdienen und um die Selbstvermarktung seiner Person. Zudem bestreitet von Herrmann dort auch, dass Heidegger selbst den Begriff „Schwarze Hefte“ jemals für diese Bücher vorgesehen habe.

Trawny, der im deutschsprachigen Raum das erste „Martin-Heidegger-Institut“ an der Uni Wuppertal begründete, wehrt sich gegen die Kritik. „Dass von Herrmann mich absetzen könnte, ist falsch. Die Möglichkeit ist ihm hierfür nicht gegeben, da ich einen Herausgeber-Vertrag mit dem Klostermann-Verlag habe“, sagt Trawny. „Es wäre nur möglich, dass die Familie Heidegger mir die Herausgeberschaft entzieht, das aber war meines Wissens nie ein Thema“, sagt er weiter.

Wer nannte die „Schwarzen Hefte“ „Schwarze Hefte“?

Es würde ihn sehr überraschen, dass von Herrmann seine Möglichkeiten in Bezug auf eine Absetzung so einstufen würde, „er überschätzt sich hier“. Mit Arnulf und Hermann Heidegger stehe er im ständigen Kontakt. „Sie sind zwar in Bezug auf die Bewertung von Martin Heideggers ,Schwarzen Heften' nicht auf meiner Seite, aber sie wollten mich auch nicht daran hindern, mein Buch zu veröffentlichen. Klar ist, dass ich nicht mit der Stimme der Familie spreche. Auch sie sagen legitimerweise auch ganz offen, dass sie meine Position nicht teilen. Diese Fragen habe ich mit ihnen schon lange vor der Veröffentlichung besprochen.“

Trawny widerspricht auch der Behauptung von Herrmanns in dem italienischen Magazin, dass der Titel „Schwarze Hefte“ nicht auf Heidegger selbst zurückgehen: „Das ist schlichtweg falsch. Wenn man in die Bände schaut, die ich herausgegeben habe, findet sich auf der ersten Seite eine Notiz von Heidegger, in der er von den „Aufzeichnungen der schwarzen Hefte“ spricht.“

Während von Herrmann die „Schwarzen Hefte“ als allgemein nicht so wichtig für Heideggers Philosophie ansieht, bezieht sich Trawny auf Äußerungen des Denkers von Meßkirch, in denen Heidegger selbst klarstellt, wie wichtig diese für sein Denken sind. „Es ist eine Strategie von Herrmanns, die Bedeutung der Schwarzen Hefte herunterzuspielen, um sich mit den darin befindlichen Problemen – zum Beispiel neben den Äußerungen über die Juden auch der extremen Kritik am Christentum – nicht beschäftigen zu müssen. Diese Strategie wird nicht erfolgreich sein“, sagt Trawny.

Von Herrmann versuche, den Nachlass Heideggers rein zu halten: „Von Herrmann scheint die Gesamtausgabe als sein Lebenswerk zu betrachten. Nun hat uns Heidegger mit einem Problem konfrontiert, das von Herrmann ignorieren will – damit sein Lebenswerk intakt bleibt.“ Trawny äußerte den Wunsch, dass nun der sachliche Ton in der Debatte über Heidegger überwiegt. „Ich würde mir wünschen, dass zwischen den zerstrittenen Parteien der Heidegger-Forschung eines Tages sachliche Gespräche wieder möglich sein werden.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum