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Handbücher Grundsätzliche Orientierung

Worüber reden wir überhaupt, wenn wir über das Christentum reden? Drei empfehlenswerte Bände zu Religion und Philosophie.

"Der sechste Schöpfungstag", Holzschnitt von Julius Schnorr von Carolsfeld
Adam, Eva, Gott (v.l.n.r.): "Der sechste Schöpfungstag", ein nachträglich kolorierter Holzschnitt von Julius Schnorr von Carolsfeld. Foto: epd

Wer ist Jesus? Christen glauben an Jesus. Sie glauben, dass er der Sohn Gottes, gekreuzigt, gestorben und auferstanden ist. Aber dieser Jesus hat keine Bücher geschrieben – was wir von ihm wissen, wissen wir durch Zeugnisse über ihn. Diese Jesus-Geschichten wiederum haben eine eigene, sehr verwickelte Geschichte. Ohne ein Verhältnis zur Geschichte (und den Geschichten) gibt es demnach den Glauben nicht, auch wenn dieser im Historischen nicht aufgeht.

Mit diesem sorgfältigen Handbuch in der Herausgeberschaft der Berliner evangelischen Theologen Christine Jacobi und Jens Schröter lässt sich nun hervorragend die Geschichte der Jesus-Forschung studieren. Ausgehend vom neutestamentlichen Material bis zu Kontroversen um die Deutung einzelner Aspekte des Wirkens von Jesus und frühen Glaubensbekenntnissen. Es eignet sich damit zur Einführung in die Geistes- wie die Religions- und Theologiegeschichte. Das Ethos Jesu (Nächsten- und Feindesliebe) wird dabei genauso verhandelt wie der religiöse Kontext. Ein Standardwerk.

Was heißt Reformation? Das Reformationsjubiläum ist vorbei, das Forschen und Ergründen der Reformation, ihrer Zeit und ihren Folgen hält aber an, zum Glück. Denn gerade die Reformationsfeierlichkeiten beförderten den irrigen Eindruck, man habe es bei der Reformation vornehmlich mit einer Luther-Sache zu tun. So wichtig die Rolle Martin Luthers auch war, bei der Reformation hat man es mit Reformationen zu tun, mit vielfachen, teilweise einander widersprechenden Transformationsprozessen.

Um sich hier einen Überblick zu verschaffen, ist dieses neue historisch-kulturwissenschaftliche Handbuch gut geeignet: Es verhandelt die theologischen Diskurse, die unterschiedlichen Akteure, die Musik, die Kunst, den Buchdruck und die verschiedenen reformatorischen Ausprägungen in Europa. Durchweg nimmt es dabei eine europäische und interdisziplinäre Perspektive ein, ohne sich im Gestrüpp der Details zu verlieren.

Ist da überhaupt was? Die Philosophie beginnt mit einer Frage, die gern als Kinderfrage gehandelt wird: Warum? Sie endet auch immer wieder mit dieser Frage. Die vielen verschiedenen Wege zwischen diesen beiden Warums machen die Philosophiegeschichte aus. Der breiteste und auch wirkmächtigste Pfad wird unter dem Titel „Metaphysik“ geführt. Denn Metaphysik fragt, warum es diese Warums denn gibt. Sie fragt, warum es überhaupt etwas gibt, und wie es zu verorten ist und was Existieren dabei meint. Wer solche Fragen stellt, kommt unweigerlich ins Grundsätzliche – und dabei auch zu der Frage, ob sich so etwas wie ein erster Grund finden lässt. Gott vielleicht? Oder das Leben? Aber was weiß man, wenn man weiß, dass es Gott gibt oder nicht gibt?

Man kann hier leicht die Orientierung verlieren. Deshalb versucht dieses einigermaßen anspruchsvolle Handbuch, die Fragen und Fragerichtungen zu sortieren, verhandelt, wie sich sinnvoll nach Raum und Zeit fragen lässt, was Naturgesetze sind, was Sprache, Freiheit, Wahrheit meint. Für Freunde der Philosophie unverzichtbar.

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