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Goethe Sein tonal-poetisches Spektrum

Die Frankfurter Goethe-Festwoche beginnt mit klassischer und neuer Musik.

Goethes Beziehung zur Musik ist so facettenreich, dass es kaum gelingen kann zu erfassen, was er damit alles verbunden haben mag. Jedoch steht fest, dass ihn die Hingabe zur Musik sein Leben lang begleitete. Mit dem Motto der diesjährigen Frankfurter Goethe-Festwoche lässt sich sagen: stets hatte er „… das himmlische Reich der Musik im Sinn“.

Bekannt ist, dass Goethe erst spät, nämlich mit 14 Jahren, Klavierunterricht erhielt und dass das Klavierspiel ihm scheinbar wesentlich mehr Mühe bereitete als das Dichten. Auch das Cellostimmen dauerte bei ihm länger als üblich, wie Beobachter berichteten. Andererseits erweist sich die verbreitete Ansicht, dass Goethe unmusikalisch gewesen sei, doch als großes Vorurteil. Das Gegenteil war der Fall. Seinem Empfinden nach war er nicht nur Augen-, sondern auch Ohrenmensch und er verehrte das musikalische Genie über alle Maßen. Nur Goethes wegen, weiß man heute, wurde Mozart so häufig in Weimar aufgeführt. Nicht nur Carl Friedrich Zelter, sondern auch Beethoven und Felix Mendelssohn Bartholdy können mit heute mit Goethes musikalischem Leben in Verbindung gebracht werden – wenngleich er sich etwa mit Beethoven auf der menschlichen Ebene kaum einig war. Mendelssohn Bartholdy verehrte er, und mit Zelter verband ihn eine lebenslange Freundschaft, die dazu führte, dass Zelter viele der Gedichte Goethes vertonte.

Eben jene wechselhafte Beziehung des Dichters zur „Götterwelt der Töne“ soll Thema der Goethe-Festwoche sein, die am Donnerstagabend im Frankfurter Goethe-Haus eröffnet wurde. Welches Musikverständnis hatte Goethe? Welche Instrumente spielte er? Und welche aktuellen Bezüge lassen sich zu Goethes Musikverständnis herstellen?

Goethes Werke führten zu zahlreichen Liedvertonungen. Aber auch Instrumentalstücke und das Musiktheater hatten immer wieder ihren Ursprung in seinen Werken, und umgekehrt war ihm die Musik Inspiration für sein poetisches Schaffen, wie die Direktorin des Hauses, Anne Bohnenkamp-Renken, einführend erläuterte. Um die Diskrepanz wie auch das Dialogische zwischen den beiden Kunstformen ging es dann in der Darbietung des Ensemble Modern. Auf Ludwig van Beethovens Septett Es-Dur op. 20 (1799) folgte die Uraufführung des Auftragswerks „lichtverzwickt“ (2018) von Gordon Kampe.

Dieser schöne Kontrast führte ehrenvoll an das prächtige tonal-poetische Spektrum eines musikalischen Goethe heran. Von zunächst fröhlich anmutenden Geigen, schillernd-leuchtenden, sogar frechen Klängen der Klarinette gelang elegant der Wechsel zur neuen Musik, bei der sich der Gedanke an einen dunklen Wald einstellte, wo das Horn bedrohlich klingt, die Posaune manchmal manisch, rasend, ratternd und schnatternd bis zur Erschöpfung hin. Im einen wie im anderen, mag man glauben, hätte Goethe sich wiedergefunden, hätte seine Freude daran gehabt.

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