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Fotobuch Was wirklich glücklich macht

Freundinnen, Sportlerinnen, Kämpferinnen, Prinzessinnen: „Wilde Mädchen“ in einem Bildband der amerikanischen Fotografin Kate T. Parker.

Caroline
„Ich wünschte, jeder Tag wäre so“, sagt Caroline, 10 Jahre. Foto: Kate T. Parker Photography, Inc.

Mit Dreck im Gesicht, mit verschwitzten Haaren und eingegipsten Beinen, außer Atem, mit roten Köpfen. Mit großen Brillen, auf dem Skateboard, mit einem fetten Lächeln im Sommersprossen-Gesicht. Unter Wasser, auf dem Rasen, im Wald, auf der Straße: „Am schönsten sind wir, wenn wir niemandem gefallen wollen“ – das ist der Untertitel des Bildbandes „Wilde Mädchen“ der amerikanischen Fotografien Kate T. Parker. Es ist ein Manifest dessen, was selbstverständlich sein müsste in den USA des 21. Jahrhunderts – und es längst nicht ist: Dass Mädchen und Frauen alles sein können, wenn sie so sind, wie sie sein wollen, und nicht so, wie es jemand anderem gefällt.

Die Fotografin weiß, was es bedeutet, sich zu behaupten, sich durchzusetzen. Sie ist mit zwei Brüdern aufgewachsen und hat früh angefangen, mit ihnen Fußball zu spielen. Sie hat sich die Haare abgeschnitten, weil diese sie immer gestört haben, sie war dreckig, verschrammt und – glücklich. Das sei, schreibt Parker im Vorwort ihres Buches, ihre Botschaft an ihre Töchter und nun auch an die Leserinnen. „Ich habe nie darüber nachgedacht, dass Mädchen so oder so sein sollten, dies oder jenes machen, so oder so aussehen müssten.“ Sie sei beunruhigt darüber, was für eine Rollenvorstellung Mädchen im Fernsehen und im Internet vermittelt werde. „Ich frage mich, was das mit ihrer Selbstwahrnehmung und ihrem Körperbild macht. Mit meinen Bildern möchte ich das mediale Geschrei übertönen, wir seien nicht gut oder dünn oder was auch immer genug. Denn wir sind alle mehr als genug!“

Eine persönliche, mentale Stärke sei wichtig für die Mädchen, findet Parker, und diese zeige sich auf vielerlei Weise. „Die hier abgebildeten jungen Frauen sind der Inbegriff von Stärke und Schönheit in all ihren Facetten.“ Die Fotografien zeigen Mädchen in Sporttrikots, die vor einer Partie konzentriert zusammenstehen oder sich nach einem Sieg müde und glücklich in den Armen liegen. Sie zeigen Freundinnen, Sportlerinnen, Kämpferinnen, Prinzessinnen. Sie zeigen Mädchen mit blauen Flecken, in Tutus, mit nassen Haare, im Einhorn-Kostüm, mit Schienbeinschonern und im Glitzerstaub. Parker lässt sie jeweils mit einem Satz zu Wort kommen; sie reden über ihre Stärke, Kreativität, Entschlossenheit, Fröhlichkeit und Unabhängigkeit. Zum Beispiel sagt die achtjährige Anna, die auf dem Foto in ihrer Lacrosse-Montur posiert: „Ich kann alles, was mein Bruder kann. Nur besser, glaube ich.“ Oder die Surferin Tayla, 6: „Ich habe mich vor dem tiefen Wasser gefürchtet, doch eigentlich ist es egal, wie tief es ist. Ich bin nie hineingefallen.“

Ab und an lesen sich die Statements etwas küchenpsychologisch, aber man darf beim Lesen auch nie vergessen, dass die Fotografierten zum Teil noch sehr jung sind. Gemessen daran sind ihre Gedanken immer berührend und beeindruckend, denn sie sind furchtlos und überzeugt. Das ist, was Parker zeigen wollte – und ihre Bilder sprechen für sich. Sie gibt den Mädchen Raum, zu zeigen, wer sie sein wollen. Mehr scheint es nicht zu brauchen.

 

Kate T. Parker: Wilde Mädchen
– Am schönsten sind wir, wenn wir
niemandem gefallen wollen.
mvg Verlag, München 2018.
256 Seiten, 16,99 Euro.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

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