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Erich-Maria-Remarque-Preis Asli Erdogan mit Friedenspreis ausgezeichnet

Für ihren Kampf gegen Unterdrückung in der Türkei bekommt die Autorin Asli Erdogan den Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis der Stadt Osnabrück.

22.09.2017 17:28
Asli_Erdogan
Asli Erdogan: Kampf für Pressefreiheit in der Türkei. Foto: epd-bild/Uwe Lewandowski

Die Kritikerin von Präsident Recep Tayyip Erdogan, die erst vor wenigen Tagen überraschend die Ausreisegenehmigung aus der Türkei erhalten hatte, erhielt den mit 25.000 Euro dotierten Preis der Jury zufolge vor allem für ihren Kampf für Pressefreiheit und gegen Unterdrückung.

Für Erdogans Engagement beispielhaft sei ihre Essaysammlung „Nicht einmal das Schweigen gehört uns noch“, die in der Türkei nicht erscheinen dürfe, erklärte die Jury zur Begründung. Darin beschreibt die Autorin die sogenannten Säuberungen des Regimes nach dem Putsch im Juli 2016.

Laudator Alexander Skipis vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels würdigte in Osnabrück die Leistungen der 50-jährigen Journalistin und Schriftstellerin. Trotz fast sechsmonatiger Untersuchungshaft sowie andauernder Drangsalierungen erhebe sie weiter ihre Stimme für die Unterdrückten. „Ich verneige mich vor Deinem Mut und Deinem Engagement für die Freiheit und den Frieden“, sagte Skipis. Er hatte 2016 eine Mahnwache vor ihrem Gefängnis organisiert.

Erdogan kämpfe kompromisslos für Menschlichkeit in einer immer mehr abstumpfenden Welt. Sie beschreibe „schonungslos und sensibel wortgewaltig“ die Grausamkeiten von Krieg, Verfolgung und Unterdrückung und setze ihr Leben für Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden aufs Spiel.

„Ich habe kein Privatleben mehr“

Die Preisträgerin selbst betonte in ihrer Dankesrede, sie widme den Preis allen Opfern, „die nicht mehr schreien können und denen ich weiterhin eine Stimme geben werde“. Bereits im Vorfeld der Preisverleihung hatte sie die Türkei dazu aufgerufen, inhaftierte Journalisten freizulassen. Sie habe die Hoffnung, dass nach ihr auch anderen Autoren „die Türen geöffnet werden“. Sie selbst sei in den vergangenen Monaten auf Schritt und Tritt beobachtet und abgehört worden, berichtete die Schriftstellerin. „Ich habe kein Privatleben mehr.“

In dem laufenden strafrechtlichen Verfahren gegen Erdogan hat die Staatsanwaltschaft eine lebenslange Haftstrafe beantragt wegen der Unterstützung einer illegalen Organisation und Volksverhetzung. Die Schriftstellerin und Journalistin, die jahrelang auch als Physikerin arbeitete, hatte bis zu ihrer Verhaftung auch für eine pro-kurdische Tageszeitung geschrieben.

Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) nannte Erdogan in einer Botschaft „eine mutige und wache Stimme, die uns immer wieder aufs Neue beweist, wie wichtig es ist, auch gegen große Widerstände für seine Gedanken und Überzeugungen einzustehen“.

Der Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis wird alle zwei Jahre in Erinnerung an das pazifistische Engagement des in Osnabrück geborenen Schriftstellers vergeben. Erich Maria Remarque (1898-1970) schrieb den Antikriegs-Roman „Im Westen nichts Neues“. (epd) 

 

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