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Egon Ammann Er holte die Welt in die deutsche Sprache

Der Schweizer Verleger Egon Ammann ist im Alter von 75 Jahren gestorben.

Egon Ammann
Der Schweizer Verleger Egon Ammann ist im Alter von 75 Jahren gestorben. Foto: dpa

Die ersten Nachrufe auf Egon Ammann erschienen im Jahr 2009. Das war, als er gemeinsam mit seiner Frau Marie-Luise Flammersfeld beschlossen hatte, den Verlag, der seinen Namen trug, nicht mehr fortzuführen. Die Artikel in der Branchenpresse und in allen wichtigen Zeitungen respektierten die Entscheidung des Paares, das bis dahin unabhängige Unternehmen nicht einem anderen Haus anzugliedern. Doch wurde das Ende des Züricher Ammann Verlags betrauert als schmerzlicher Verlust für die deutschsprachige literarische Landschaft. Die Verleger im Ruhestand zogen nach Berlin um, knüpften weiter Kontakte für Autoren. In Berlin ist Egon Ammann am Mittwoch im Alter von 75 Jahren gestorben. 

Bereits in den 60er Jahren hatte Egon Ammann in Bern Bücher herausgegeben, als sein damaliger Kandelaber-Verlag sich nicht halten konnte, setzte Siegfried Unseld ihn als Suhrkamp-Repräsentant für die Schweiz ein. Mit Thomas Hürlimann, den er nicht für Suhrkamp gewinnen konnte, eröffnete er 1981 dann den Ammann Verlag. Der deutschsprachigen Literatur hat dieser Verleger mit seinem großen Gespür für Sprache und Geschichten viele wertvolle Bücher geschenkt. Die Wirkung hält an, auch wenn viele Autoren früh zu anderen, mehr wirtschaftliche Sicherheit versprechenden Häusern wechselten. Ulrich Peltzers erster Roman erschien 1987 bei ihm, zehn Jahre später der erste Roman von Julia Franck, fünf Jahre später nahm er sich des ersten literarischen Titels von Navid Kermani an. 

Die Marktlage, die er als Begründung nannte, als er den Verlag nach 29 Jahren schloss, kümmerte den Verleger oft nicht, wenn er sich für ein Buch entschied. Er holte die Welt in die deutsche Sprache, so eigenwillige Autoren wie Fernando Pessoa und Konstantinos Kavafis, den Ungarn László Krasznahorkai, den Wanderer zwischen der deutschen und französischen Sprache Georges-Arthur Goldschmidt, den im Gulag gestorbenen Dichter Ossip Mandelstam, den Chronisten des Gettos von Wilna Abraham Sutzkever. „Unser Transportvehikel war das Buch“, schrieb Egon Ammann in seinem Abschied an die Autoren und Buchhändler, „von Fernando Pessoa haben wir das Ticket erhalten: ,Im Grunde reist man am besten, indem man fühlt.‘“ Egon Ammann hat unterwegs Geschichten und Gedichte eingesammelt und schön ausgestattet auf die Reise zu ihren Adressaten gebracht: zu uns, den Lesern. 

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