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Edward St Aubyn Böse Töchter beißen

Edward St Aubyns thrillerartige und etwas enttäuschende „König Lear“-Bearbeitung „Dunbar und seine Töchter“.

Gert Voss
Gert Voss als Lear mit Andrea Clausen, Adina Vetter und Caroline Peters. Foto: rtr

Es gäbe nichts einzuwenden gegen den Thriller, würde nicht die zweite Oberfläche, die Sprache, signalisieren, dass die Ambitionen St Aubyns größere sind. Sie ist spielerisch, satirisch, kalauernd – nicht umsonst kommt als erstes der Fool ausführlich zu Wort. Sie lässt keine spöttische Wendung (mag sie auch noch so gut abgehangen sein – oder liegt das an der Übersetzung?) links liegen. Um sich dann wieder aufzubäumen zu Bildern, die man einerseits so noch nicht gelesen hat, die andererseits seltsam angestrengt wirken.

So zum Beispiel fühlt sich Henry Dunbar in rauer Natur auf dem Pass, im Bergtrichter zwischen Wolken: „Diese verstörende Vision wurde durch ein zusammenhangloses Schuldgefühl ergänzt, als wäre der durchbrochene Wolkenschleier Teil einer unvorstellbar kostbaren blau-weißen Vase, die man ihm anvertraut und die er aus Ungeschicklichkeit hatte fallen lassen und die er nun irgendwie wieder zusammenkleben musste, ehe der Eigentümer zurückkam.“ Das passende Wort ist „zusammenhanglos“, Sprachmacht dreht sich hier um sich selbst.

Edward St Aubyn hat trotz einiger beeindruckender Passagen aus einer großen Tragödie einen manierierten Genreroman gemacht.

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