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Eduardo Galeano gestorben Schriftsteller Galeano ist tot

"Die offenen Aderns Lateinamerikas" und eine große Leidenschaft für den Fußball: Zum Tode des uruguayischen Autors und Globalisierungskritikers Eduardo Galeano, der jetzt 74-jährig in Montevideo gestorben ist.

Der uruguayische Schriftsteller und Globalisierungskritiker Eduardo Galeano ist tot. Foto: epd-bild / Gerhard Dilger

Man muss wohl blutjung sein, um so etwas zu wagen: Die „Geschichte eines Kontinents von der Entdeckung bis zur Gegenwart“ zu schreiben, und zwar auf 295 Seiten. Eduardo Galeano war 31, als er „Die offenen Adern Lateinamerikas“ publizierte. Das Buch mit dem prächtigen Titel und dem anmaßenden Untertitel wurde schnell ein in viele Sprachen übersetzter Bestseller. Durchaus verkürzt und zugespitzt, aber kurzweilig und mit historischen Beispielen gespickt, bedienten die „Offenen Adern“ das damals wachsende Interesse an Lateinamerika, dem in jenen Jahren heißesten Schlachtfeld des Kalten Krieges.

Galeano hat sich später davon distanziert: „Todlangweilig“ sei diese Prosa der traditionellen Linken, er würde sie „körperlich nicht mehr aushalten“. Er hat nach den „Offenen Adern“, weniger beachtet und gelesen, zu weitaus Poetischerem gefunden, das sich kaum in die üblichen literarischen Kategorien einordnen ließ: Karge, kurze, trockene und dennoch meisterhafte Formulierungen, die ganz und gar nicht der „rhetorischen Tradition der geschwellten Brust“ entsprachen, wie er das einmal nannte. Seine Trilogie „Erinnerung an das Feuer“ kreiste freilich nach wie vor um das gleiche Thema, das die „Offenen Adern“ als sozioökonomisch-politische Kampfschrift behandelte. Über ein ganz anderes Thema hat er angeblich tausende von Seiten vollgeschrieben: Über Fußball.

Er hat sich zeitweise als Zeichner, Fabrikarbeiter, Bote, Bankkassierer durchgeschlagen. Als auch in seiner Heimat Uruguay die Militärs die Macht ergriffen, ging er zuerst nach Argentinien, später nach Spanien ins Exil. 1985 kehrte er nach Montevideo zurück, wo er am Montag im Alter von 74 Jahren an Lungenkrebs starb.

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