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E-Book-Markt Das E-Book kommt nicht vom Fleck

Wie die IT-Branche es sieht: Verband Bitkom fordert vor allem Preisimpulse und appelliert an die Politik sowie die Verlage. Der Mehrwertsteuersatz soll sinken.

Einer von 30 Prozent E-Book-Nutzern in Amerika. In Deutschland lesen nur 24 Prozent der Menschen elektronische Bücher. Foto: REUTERS

Die Verbreitung elektronischer Bücher tritt in Deutschland auf der Stelle. Das zweite Jahr hintereinander stagniert die Entwicklung von E-Books gemessen an der Gesamtbevölkerung hierzulande bei knapp einem Viertel. Das hat der IT-Branchenverband Bitkom jetzt im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse in einer Verbraucherbefragung ermittelt.

Gegenüber 2015 ist die Durchdringung sogar um einen Prozentpunkt auf 24 Prozent gesunken. „Wir haben einen erheblichen Aufholbedarf“, stellt Bitkom-Vize Achim Berg klar. Während in Deutschland rund sechs Prozent aller Buchverkäufe auf elektronische Varianten entfallen, seien es in den USA über 30 Prozent. Dort boomen E-Books seit Jahren.

Berg hat dafür einige Erklärungen parat. Zum einen seien E-Books in Deutschland anders als im englischsprachigen Raum kaum billiger als ihre gedruckten Varianten. „Die Verlage geben ihre Kostenvorteile nicht weiter“, kritisiert der IT-Manager. Weil bei E-Books der Druck wegfalle und auch die Logistik günstiger kommt, könnten Verlage sie um mindestens ein Fünftel billiger anbieten, was sie aber nicht tun.

Die Politik zögert

Auf Preisimpulse hofft Bitkom mit Blick auf die Mehrwertsteuerreform der EU. Ende November soll es in Brüssel dazu einen Referentenentwurf geben. Berg erwartet, dass dort ein verminderter Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent für E-Books vorgeschlagen wird, wie er beim gedruckten Buch schon gilt. Derzeit fallen auf E-Books noch 19 Prozent Mehrwertsteuer an. Steuerlich um gut ein Zehntel verbilligt werden könnten E-Books hierzulande frühestens in der zweiten Hälfte 2017.

Das setzt voraus, dass die Politik mitspielt und die Verlage eine Verbilligung auch vollständig an ihre Leser weitergeben. Besonders gut ist Berg auf Letztere nicht zu sprechen, weil sie die Möglichkeiten von elektronischen Büchern seiner Meinung nach nicht genug fördern. „Es reicht nicht aus, gedruckte Bücher eins zu eins in digitales Format zu übertragen“, sagt er. Die Technik biete die Gelegenheit, Inhalte mit Videos, Grafiken oder Bildern zu verknüpfen und so Mehrwert zu schaffen. In die Tat umgesetzt werde das zu selten.

Auch deshalb klaffe die digitale Nutzung von Musik und Filmen via Internet und die von Büchern in Deutschland auseinander, betont Berg. Streamingdienste für Musik und Filme wachsen dynamisch, auch Interesse am E-Book sei vorhanden: Laut Umfrage ist ein Drittel der bisherigen Verweigerer bereit, elektronische Bücher auszuprobieren.

Die Leser zögern auch

Nicht zuletzt das Informationsverhalten von Lesern zeige, wohin die Entwicklung gehen könnte, meint Berg. Denn gut die Hälfte aller Leser würden heute durch Online-Empfehlungen auf Bücher aufmerksam. Vor drei Jahren waren das noch 21 Prozent. Das Stöbern in Buchläden sei damit von Rang zwei der Informationsquellen verdrängt worden. Dominierend sind mit 74 Prozent weiter persönliche Empfehlungen.

Gelesen werden E-Books übrigens erstmals vor allem auf entsprechenden Lesegeräten wie Tolino oder Kindle. Binnen Jahresfrist ist deren Anteil laut Bitkom-Umfrage von 24 auf 46 Prozent gewachsen. Dahinter rangieren mit dem Smartphone (41 Prozent) und Tabletcomputern (24 Prozent) zwei weitere mobile Lesegeräte mit wachsendem Anteil. Speziell E-Book-Reader hätten den Vorteil, dass sie kaum Strom verbrauchen und wochen- oder monatelang ohne Nachladen laufen, erklärt Berg.

Etablieren würden sich auch alternative Nutzungsmodelle. So leiht sich mittlerweile über ein Viertel aller E-Book-Leser solche in öffentlichen Bibliotheken aus, 13 Prozent nutzen Flatrate-Angebote und immerhin sechs Prozent kaufen E-Books seitenweise, was vor allem bei wissenschaftlicher Literatur bedeutend ist.

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