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Deutscher Buchpreis Wenn nicht Deutschland, dann Europa

Die sechs Nominierten für den Deutschen Buchpreis - und der mutmaßliche Gewinner. Scherz beiseite, am 9. Oktober wird sich im Frankfurter Römer alles klären.

"Die Hauptstadt" - Robert Menasse
Robert Menasse, nominiert mit seinem Roman „Die Hauptstadt“. Foto: dpa

Donnerschlag, Ingo Schulzes Wende-Schelmenroman „Peter Holtz“ steht nicht auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis. Der Main fließt aufwärts. Jetzt wird Robert Menasse mit seinem Brüssel-Roman „Die Hauptstadt“ (Suhrkamp, Besprechung siehe unten) gewinnen.

Nominiert sind außerdem: Gerhard Falkner, der mit „Romeo oder Julia“ (Berlin Verlag) als einziger Außenseiter auf die Liste der letzten sechs gelangt ist.

Franzobel, dessen historischer Roman „Das Floß der Medusa“ (Paul Zsolnay, der einzige verbliebene Frühjahrstitel) eigenwillig vom nackten Überleben auf dem Meer erzählt – nicht abgeschlagen, aber nicht sehr wahrscheinlich.

Thomas Lehr, dessen sagenhaftes Groß- und Wunderwerk „Schlafende Sonne“ (Hanser) allerschärfste Aufmerksamkeit des Lesers fordert – überhaupt nicht abgeschlagen, aber realistisch betrachtet sogar sehr unwahrscheinlich. Frank Witzels „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion“, der Überraschungssieger von 2015 und die wohl bislang kühnste Wahl seit Schaffung des Preises, war lässige Unterhaltung dagegen.

Marion Poschmann mit ihrem zarten, gewitzten Japan-Roman „Die Kieferninseln“ (Suhrkamp), einem Buch, das verwehen könnte, wenn man zu laut spricht. Im Verhältnis zu Menasses „Die Hauptstadt“ könnte man es für eskapistisch halten, ein Irrtum, aber in diesen Tagen nicht leicht zu verhindern.

Sasha Marianna Salzmann mit ihrem Romandebüt „Außer sich“, als einer weiteren nicht abwegigen Möglichkeit, wenn man bedenkt, wie klug und ausgereift hier Gegenwärtiges (die Geschichte einer Fremdheit) literarisch verarbeitet wird. Dann fällt einem aber wieder ein, dass ja Robert Menasses „Die Hauptstadt“ den Deutschen Buchpreis gewinnen wird.

Scherz beiseite, denn woher soll man das denn jetzt schon wissen? Am 9. Oktober wird sich im Frankfurter Römer alles klären. Vorerst lässt sich sagen, dass kein Kleinverlag in diesem Jahr überraschend den Titel holen kann, Suhrkamp aber einmal wieder eine 50-Prozent-Chance hat. Und dass „Peter Holtz“ gewiss trotzdem kein schweres Leben haben wird.

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