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Deutscher Buchpreis Korrigieren und vorausschauen

Die zwanzig Titel auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis.

Angelika Klüssendorf
Angelika Klüssendorf im März auf der Leipziger Buchmesse. Foto: imago

Die Longlist für den Deutschen Buchpreis, am Dienstag vorgestellt, enthält Überraschendes und Erwartbares, Eigenwilligkeiten, aber auch feste Größen im Buchpreisgeschehen seit der ersten Stunde 2005. So ist der Preisträger von damals, der Österreicher Arno Geiger, wieder dabei mit seinem bedeutenden, auf der informellen Was-bleibt-Liste bereits festgeschriebenen Zweite-Weltkriegs-Roman „Unter der Drachenwand“ (Hanser Verlag). Dazu die bereits mehrmals Shortlist-Platzierten Stephan Thome, jetzt mit dem September-Titel „Gott der Barbaren“ (als einzigem Suhrkamp-Buch), und Angelika Klüssendorf, jetzt mit „Jahre später“ (Kiepenheuer & Witsch), dem Abschluss ihrer perfekten „Mädchen“-Trilogie. Shortlist-erfahren ist auch die interessante Autorin Inger-Maria Mahlke, in diesem Jahr mit „Archipel“ (Rowohlt) auf der Longlist.

Zwei Titel standen bereits auf der Liste für den Preis der Leipziger Buchmesse (zu Recht soll das kein Kriterium sein): Anja Kampmanns ambitioniertes, aber doch irritierend missglücktes Debüt „Wie hoch die Wasser steigen“ (Hanser), bei dem also ein großes Missverständnis zwischen Buch und FR-Rezensentin vorliegen könnte, sowie Matthias Senkels sich souverän um keinerlei Leseerwartungen scherendes Buch „Dunkle Zahlen“ (Matthes & Seitz).

Auch darüber hinaus hat sich die Jury zwar nicht mehr ins vergangene Jahr begeben, kommt aber beherzt auf etliche, teils weniger beachtete Frühjahrstitel zurück. Und zeigt sich womöglich als Korrektiv eines im Buchgeschäft zu schnell erfolgenden Saisonwechsels: Carmen-Francesca Bancius „Lebt wohl, Ihr Genossen und Geliebten! (Palm-Art-Press), Susanne Fritz’ (hochgelobter) autobiografischer Roman „Wie kommt der Krieg ins Kind“ (Wallstein), Franziska Hausers „Die Gewitterschwimmerin“ (Eichborn), Josef Oberhollenzers „Sültzrather“ (Folio), Susanne Röckels „Der Vogelgott“ (Jung und Jung) und Christina Viraghs „Eine dieser Nächte“ (Dörlemann). Auch Gert Loschütz stiller deutsch-deutscher Roman „Ein schönes Paar“ (Schöffling & Co.) hat den Sprung geschafft, wie schön.

Unter den soeben erschienenen oder dieser Tage kommenden Büchern dürfte Maxim Billers bereits vielbeachteter Roman „Sechs Koffer“ (Kiepenheuer & Witsch) realistische Aussichten haben, ebenso Nino Haratischwilis „Die Katze und der General“ (Frankfurter Verlagsanstalt), letzteres dazu noch mit einem Schwung zum Gastland der diesjährigen Buchmesse versehen, Georgien. Auch die aus Argentinien stammende María Cecilia Barbetta hat „Nachtleuchten“ (S. Fischer) in ihrer zweiten Sprache geschrieben. Helene Hegemanns „Bungalow“ schließt die beachtliche Liste der Hanser-Titel ab (diesmal aber Hanser Berlin). Als Altmeister ist Adolf Muschg mit „Heimkehr nach Fukushima“ (Beck) vertreten, dazu kommt ebenfalls aus der Schweiz die Romandebütantin Gianna Molinari mit „Hier ist noch alles möglich“ (Aufbau). Und wie Molinari hat auch der 1966 in Frankfurt geborene Eckhart Nickel 2017 beim Literaturwettbewerb in Klagenfurt gelesen, mit mäßigem Erfolg, was für sein Buch „Hysteria“ (Piper) nicht gelten muss.

Der Abwechslungsreichtum unter den Verlagen wirkt wieder erstaunlich planvoll, es gibt ein leichtes Übergewicht an Autorinnen (zwölf zu acht). Auf der Longlist ist noch eine Ausgewogenheit möglich, für die auf der Shortlist, auf der es einem diesmal schon auf den ersten Blick sehr eng vorkommt, kaum noch Platz sein wird. Die letzten sechs muss die Jury am 11. September benennen. Der mit 25 000 Euro dotierte Deutsche Buchpreis wird am Montag vor der Buchmesse, am 8. Oktober, im Frankfurter Römer verliehen.

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