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Der elfte Mallory-Fall Die Mallory Horror-Thriller Show

Carol O’Connells eiskalte Ermittlerin tritt diesmal gegen Broadway-Schauspieler an: „Es geschah im Dunkeln“ lehrt nicht nur die Besucher eines Theaters das Fürchten.

The marquee for the Broadway show can be seen on a truck bed in New York
Der Grusel kommt und geht am New Yorker Broadway. Foto: Lucas Jackson (X90066)

Es ist immer ein Vergnügen, Detective Mallory wiederzutreffen – für den Leser, weniger für Kollegen oder gar Verdächtige. Mallory, Polizistin beim NYPD, New York City Police Department, ist eiskalt, mitleidlos, unberechenbar, psychopathisch. Sie lässt keinen an sich ran, sie lässt sich von keinem in die Karten schauen, und ihre Erfinderin, die 1947 geborene Carol O’Connell, hält sie auch auf Abstand zum Leser: So bleibt sie ein Rätsel und eine der interessantesten Figuren auf dem Krimimarkt.

„Es geschah im Dunkeln“, der bereits elfte Mallory-Thriller (Original: „It Happens in the Dark“, 2013), kombiniert das Genre des Polizeiromans mit einer am Broadway spielenden Horrorgeschichte. Eine Zuschauerin erschreckt sich so sehr im Stück „Das Messingbett“, dass sie einen Herzinfarkt erleidet. Kann die Polizei das aber noch als „natürlichen Tod“ zu den Akten legen, dann gewiss nicht mehr, dass dem Autor des Stückes beim nächsten Anlauf zur vollständigen Premiere die Kehle durchgeschnitten wird.

Es stellt sich raus, dass Peter Beck, gelinde gesagt, mit den Theaterleuten ein Hühnchen zu rupfen hatte: Ein Ghostwriter hat seinen Text bis zur Unkenntlichkeit verändert – und Regisseur und Darsteller haben die jeweils wieder mit Kreide auf einer Tafel hinterlassenen Textänderungen stets brav übernommen.

Carol O’Connell packt das ganze Grusel-Arsenal aus: Botschaften, die wie von Geisterhand erscheinen, plötzliche Blackouts, psychisch kranke Bühnenhelfer, Darsteller, bei denen man nie so genau weiß, welche Rolle sie gerade und wie gut sie sie spielen.

Sogar der Kritiker lügt offenbar – aber warum bloß? Und warum tarnt sich die Garderobiere unter einer schäbigen Perücke? Dann stellt sich auch noch heraus, dass das Theaterstück, in dem das Publikum sich zu Tode erschrecken kann, auf einem wahren Fall beruht, bei dem vor Jahren lediglich zwei Zwölfjährige, Zwillinge, das Massaker an ihrer Familie überlebten. Also stellt sich auch noch die Frage: Wer kannte die Details, um sie jetzt – und mit welcher Absicht? – in einem Bühnentext unterzubringen?

Da hat die US-amerikanische Autorin einiges aus der Thriller-Klamottenkiste geholt. Aber wie sie diese altbekannten Motive neu zusammenwürfelt, verzahnt, mit überraschenden Haken und Ösen ausstattet, das ist auch diesmal wieder eine typische Mallory-Geschichte und ein origineller Spaß. Und übrigens war es niemand anders als Carol O’Connell, die den Typus der psychisch gestörten, harten wie blitzgescheiten Ermittlerin erfunden hat. Und dazu einen unvergleichlichen Psychotherapeuten-Sidekick. Und einen bodenständigen Trinker-Cop. Und einen schlauen Rabbi. Und diesmal ein Häuflein Schauspieler, wie es charakteristischer nicht sein könnte.

Detective Mallory – wehe, man nennt sie Kathy! – jedenfalls zieht wieder an allen Strippen, sei es, um die Spurensicherer zum Spuren zu bringen, sei es, um den Kollegen von der Drogenfahndung auf ihre Seite zu ziehen, sei es, um dem Ghostwirter auf die Schliche zu kommen. Polizeiarbeit ist bei Carol O’Connell immer auch eine Art Psycho-Schach, und Mallory ist die raffinierteste Spielerin.

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