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DDR-Literatur Es gibt kein Drüben

Wer war Peter Hacks? Ein bedeutender Dichter. Und ein unbequemer, wie in einer neuen Biografie über ihn nachzulesen ist.

Hacks
Hacks konnte sich einen Sommersitz leisten, ein Refugium mit Turm und Zinnen. Foto: Eulenspiegel Verlag

Politisch hat er stets „fest auf Seiten des Sozialismus“ gestanden. Das notiert diese dicke Biografie wie einen Lehrsatz: Nie vergessen, wer dieser Peter Hacks war! Kein Oppositioneller, sondern ein treuer Parteigänger für die Sache der DDR. Aber auch kein Angepasster, sondern ein gerade von der DDR-Kulturpolitik Drangsalierter. Zudem ein Dandy, der sich nicht nur seine legendäre Wohnung in der Berliner Schönhauser Allee 129 als eine Art Biedermeier-Museum einrichtete, sondern draußen in der Nähe von Groß Machnow auch ein Refugium einrichtete, „Fenne“ genannt: drei aufwendig restaurierte Gebäude samt eigens errichtetem Turm, durchkomponierter Gartenanlage und Dienstwohnung für den angestellten Hausmeister, der das strenge Reglement des Hausherrn einzuhalten hatte („Das Ansprechen .... vor dem Mittagessen ist unzulässig.“), dafür aber mit 1000 DDR-Mark plus 40-Westmark bestens entlohnt wurde.

Hier lebte sommers ab Mitte der siebziger Jahre der Schriftsteller Peter Hacks mit seiner Frau Anna Elisabeth Wiede, zwei Schäferhunden und drei Pfauen. Die Nachbarn sprachen von einer „Burg“, im Westen war vom „sozialistischen Millionär“ die Rede, und nicht wenige in der DDR wunderten sich, warum dieser Hacks sich derart als großbürgerlich inszenierte. Aber Hacks gehörte nicht „zu jener Sorte Linker, denen die absolute Gleichheit erstrebenswert erscheint“; Sozialismus bedeute ihm Vergesellschaftung der Produktionsmittel, nicht die Nivellierung aller auf ein bestimmtes Niveau, schreibt Ronald Weber in seiner Biografie. So kann man das sehen.

Im Juli 1955 sind Hacks und Wiede, wenige Monate nach ihrer Hochzeit, gemeinsam von München nach Ost-Berlin gezogen: Die Entscheidung für die DDR trafen sie sehr bewusst, weil sie im Westen „das Neue, das einzuführen ist“, nicht entdecken konnten: keinen Sozialismus, keine Zukunft. „Es gibt kein Drüben“ schreibt Hacks Ende der sechziger Jahre in seinem Gedicht „Die Elbe“. Nein, er war kein „von Zeit zu Zeit parteinehmender Schriftsteller“, wie einem Lobgedicht aus dem Nachlass zu entnehmen ist; er war der, wie er von sich selbst sagte, mit dem „bekannten Sinn für Konsequenz“, von seiner frühen Schülerschaft bei Bert Brecht, den Skandalen um sein Stück „Die Sorgen und die Macht“ (1962) über die mit den Jahren stets harscher werdenden Abrechnungen mit dem sogenannten Regietheater („Westscheiße“) und die Verbitterungen angesichts der Ereignisse im Herbst 1989 bis zu seinem Tod vor 15 Jahren: An der Überlegenheit der DDR über das Land „für Nazis und Verbraucher“ hat er nie einen Zweifel gelassen.

Er war allerdings auch kein bequemer Parteigänger. Walter Ulbricht hielt er für den „ersten und einzigen Staatsmann der Deutschen“, Erich Honecker für einen Dummkopf, letztlich einen Konterrevolutionär. „Die DDR war nicht vollkommen. Sie tat unter Ulbricht das Menschenmögliche, unter Honecker nicht einmal mehr das“, schreibt Hacks 1990, nachzulesen in seinen gesammelten politischen Schriften, die jetzt unter dem Titel „Marxistische Hinsichten“ erschienen sind.

„Ich bin nicht höflich“ hat Hacks seine Kritiker bereits Ende der fünfziger Jahre wissen lassen. Das war er nicht. Als Hacks im Zuge der Ausbürgerung von Wolf Biermann (im Jahre 1976) diesen in einem Essay als Revisionisten beschimpfte, vergleicht er ihn mit Günter Grass: Beide hätten „ein hübsches Talent und ein enormes Geltungsbedürfnis“, leider aber fehle ihnen „jegliches Verständnis für politische Wirklichkeit“.

Dass Peter Hacks, „wo es sein musste, immer aus Liebe“ gestritten hat, wie Dietmar Dath glaubt, kann nur behaupten, wer sich zu seinem Jünger macht. Aber Hacks war stets ein scharfer Denker, der die Zuspitzung liebte, die Provokation – und die Schönheit, die Klarheit der Vernunft, das dialektische Denken, alles das, was er in der Klassik, bei Goethe vor allem, zu finden glaubte, der Romantik hingegen absprach. Der Kampf gegen das Romantisieren, auch das ist ein Lebensthema von Peter Hacks.

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